23.6.2011 | Von:
Von Inge Seibel-Müller

Auch Radiosender lieben Facebook

Best-Practice-Beispiel: Radio Bielefeld

Radiosender sind überdurchschnittlich aktiv in sozialen Netzwerken wie Facebook. Für viele gehört diese neue Kontaktmöglichkeit mit dem Hörer längst zum Alltag. "Die Erwartungen ans Radio haben sich geändert", sagt Martin Knabenreich, Chefredakteur von Radio Bielefeld. "Wir sind heute dort, wo uns unsere Hörer haben wollen: mit Homepage, Smartphone-App, eigenproduzierten Videos und einer Facebook-Gemeinde." Und Radio Bielefeld, so scheint es, macht ganz vieles richtig. Mit einem Marktanteil von über 40 Prozent steht der Sender ganz oben in der Hörergunst.

Obwohl kaum ein Tag ohne Schlagzeilen über die Social-Web-Protagonisten "Twitter" und "Facebook" vergeht: Journalisten und PR-Fachleute haben angeblich noch immer Nachholbedarf in Sachen Social Media. Doch viele Radiosender, gerade auch lokale, nutzen die sozialen Netzwerke immer selbstverständlicher als weitere Möglichkeit zur Hörerbindung.

Twitter und Co. seien zwar in den Redaktionen und Pressestellen als "wertvolles Arbeitswerkzeug" angekommen, aber die Wahrnehmung als "notwendiges Übel" noch immer weit verbreitet. Gut jeder dritte Journalist empfindet Social Media als "Nervkram" (38 Prozent). Das gilt vor allem für Journalisten aus Zeitschriften- (46 Prozent) und Tageszeitungsredaktionen (39 Prozent). Erkenntnisse des Social Media Trendmonitor 2011 "Zwischen Hype und Hoffnung: Die Nutzung sozialer Netzwerke in Journalismus und PR" von der dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor. 5.120 Fach- und Führungskräfte aus PR-Agenturen, Pressestellen und Redaktionen haben sich an der Untersuchung beteiligt.
Chart aus dem aktuellen Social Media Trendmonitor 2011.Chart aus dem aktuellen Social Media Trendmonitor 2011.


Weitere Ergebnisse der Studie: In Online-Redaktionen (61 Prozent), Nachrichtenagenturen (52 Prozent) und Rundfunksendern (50 Prozent) ist man überdurchschnittlich aufgeschlossen gegenüber Informationen aus dem Web 2.0.

Facebookcharts der Radiosender

Das meist genutzte soziale Netzwerk ist Facebook. Deutschlands Radiosender sind hier bereits in hohem Maße aktiv, auch wenn sich die Zahl der "Fans" oft noch im überschaubaren vierstelligen Rahmen hält.


"Wer Follower haben will, muss regelmäßigen Content anbieten und den Kontakt zu den Hörern halten und pflegen", sagt Sebastian Pertsch (Foto: Daniel Finger). Der Journalist hat im Februar 2011 eine eigene Studie über die Nutzung deutscher Radiosender bei Facebook und Twitter veröffentlicht. Damals zählte Pertsch 1.277.796 Fans bei Facebook und 169.426 Follower bei Twitter bei insgesamt 353 Radiosendern.

Doch die Sozialen Netzwerke wachsen in einem rasanten Tempo, Zahlen sind schnell veraltet. Mittlerweile hat sich in nur vier Monaten die Zahl der Facebook-Fans von Radiosendern nahezu verdoppelt und auch die Follower bei Twitter haben die 200.000er Grenze längst überschritten. Als Konsequenz hat Sebastian Pertsch mit radiocharts.rockbär.de eine Website eingerichtet, in der die aktuellen Statistiken der Radiosender mit zahlreichen Such- und Filtermöglichkeiten in Echtzeit abgefragt werden können.

"Erstaunlich viele Sender haben den Trend Richtung Social Networks erkannt", sagt Pertsch. Allerdings wüßten noch nicht alle, wie wichtig es für einen erfolgreichen Auftritt sei, die Fan-Seite auch regelmäßig zu pflegen: "Posten Sie auch mal die Nachrichten in Kurzform stündlich bei Facebook oder Twitter. Crossposten Sie Podcasts und sonstige Sendungsmitschnitte", rät er den Sendern. "Oder wie wär's mal mit einem exklusiven Gewinnspiel auf Facebook? Verlosung unter allen Kommentaren eines Beitrags. Gleich kommt ein spannendes Thema? Dann informieren Sie als Teaser vorab die Hörer! Die Hörerschaft ist schon längst bei den Social Networks angekommen."

Bio_Martin KnabenreichBio_Martin Knabenreich
Das bestätigt auch Martin Knabenreich, seit 2002 Chefredakteur beim Lokalsender Radio Bielefeld, der gerade seinen 20. Geburtstag feierte. "Die Arbeitsbedingungen haben sich gewandelt wie die Erwartungen der Hörer", stellt Knabenreich mit Blick auf die vergangenen zwei Jahrzehnte fest. "Wir sind heute dort, wo uns unsere Hörer haben wollen: mit Homepage, Smartphone-App, eigenproduzierten Videos und einer Facebook-Gemeinde."

Twitter hingegen spielt bei Radio Bielefeld eine untergeordnete Rolle, wird als Nachrichtentool genutzt, um mindestens einmal am Tag eine aktuelle Information zu kommunizieren oder auch neue Themen zu finden.

Wie Radio Bielefeld Facebook nutzt, lesen Sie auf der folgenden Seite.