3.11.2006 | Von:
Inge Seibel

Warten auf den Podcast Boom

Eine Emnid-Studie bringt ernüchternde Ergebnisse - lediglich gut fünf Prozent der Surfer nutzen auch die im Internet bereitgestellten Audiodateien.

Eine Emnid-Studie bringt ernüchternde Ergebnisse - lediglich gut 5 Prozent der Surfer nutzen auch die im Internet bereitgestellten Audiodateien.

21. November 2006. Seit der vergangenen Woche hat medien-mittweida.de, die publizistische Website des Fachbereichs Medien an der Hochschule Mittweida, die "Mediencouch" im Angebot. Alle 14 Tage wollen von nun an ambitionierte Studenten in einem Podcast unterhaltende Informationen rund um das Thema Medien zum Download zur Verfügung stellen.

Erste positive Reaktionen auf das neue Audiomagazin können allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Podcasts insgesamt bislang noch keinen Boom ausgelöst haben. Lediglich 5,2 Prozent der deutschen Internetgemeinde im Alter von 14 bis 49 Jahren nutzt die virtuellen Audioangebote - das geht aus einer Studie hervor, die von der TNS Emnid Marktforschung im Auftrag der Fachzeitschrift Werben & Verkaufen erstellt wurde.

Für die Studie hatten die Marktforscher 1.000 Internetnutzer in der so genannten werberelevanten Zielgruppe befragt. Erstaunlich - über 90% gaben an, dass sie Podcasts überhaupt nicht kennen würden. Nur gut die Hälfte der mit dem Begriff Vertrauten, nutzen auch die Audioangebote aus dem Netz. Sie sind in der Regel jung und männlich. Bei den 14-19jährigen wurde immerhin eine Quote von 12 Prozent ermittelt - bei den 40-49jährigen sind es dagegen nicht einmal 3 Prozent. Bei den Inhalten, so die Emnid-Studie, sind "klassische" Medienangebote besonders gefragt. Diejenigen, die Podcasts nutzen, favorisieren Nachrichten (48,6%), Musikclips (40,3%), aktuelle Reportagen (37,1%) und Beiträge über Computer bzw. Internet (35,1%). Nur 11 Prozent der Podcastnutzer sind an privaten - vertonten - Tagebüchern interessiert.

Auch international haben es Podcaster - wie die Produzenten der virtuell verbreiteten Audiobeiträge genannt werden - offenbar schwer sich bei den Internetnutzern Gehör zu verschaffen. Eine im Frühjahr 2006 von Forrester Research veröffentlichte Erhebung ergab, dass lediglich 2 Prozent aller Internet-Nutzer in Nordamerika Podcasts downloaden. Allerdings prognostiziert das US-Marktforschungsunternehmen bis zum Ende des Jahrzehnts eine rund 15fach höhere Nutzung. Mehr Aufmerksamkeit erreichte "Podcast" bereits in Großbritannien, wo der Begriff vom New Oxford American Dictionary zum Wort des Jahres 2005 gewählt wurde. Zur Begründung teilte die Jury mit, dass es "Podcast" in kurzer Zeit "von relativer Unbekanntheit zu einem der heißesten Medientrends" gebracht habe. Jetzt müssen nur noch mehr Internetnutzer davon überzeugt werden.