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23.1.2009 | Von:
Katharina Belwe

Editorial

"Menschen mit Migrationshintergrund" sind – anders als es der sperrige begriff suggeriert – keine homogene Gruppe von in Deutschland lebenden Personen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes handelt es sich um zugewanderte und in Deutschland geborene Ausländer, Spätaussiedler, eingebürgerte zugewanderte Ausländer sowie um Personen mit mindestens einem zugewanderten Elternteil oder Elternteil mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Diese 15,3 Millionen Frauen und Männer haben ihre Wurzeln unter anderem in der früheren Sowjetunion und der Türkei, oder auch in Süd- und Osteuropa, im früheren Jugoslawien oder in asiatischen und afrikanischen Ländern.

"Menschen mit Migrationshintergrund" unterscheiden sich folglich schon aufgrund ihrer Herkunft stark voneinander. Der pauschalisierende Begriff wird ihnen nicht gerecht. Differenzierung tut Not. Dabei kann der Blick auf die Lebenswelten dieser "bunten sozialstrukturellen Gruppe" hilfreich sein. Die Erkenntnis, dass deren Weltorientierung, Lebensstile und soziale Lagen ebenso voneinander abweichen, wie die der einheimischen Bevölkerung, ist dabei so einleuchtend wie erhellend.

"Menschen mit Migrationshintergrund" mögen Ausländer sein oder als solche wahrgenommen werden, sie mögen verschiedene Muttersprachen und Religionen haben; ihr Alltag, die Art und Weise, wie sie leben, mag von der Lebensweise der autochthonen (einheimischen) Bevölkerung abweichen oder dieser angepasst sein. So oder so haben sie das Problem doppelter kultureller Zugehörigkeit. Dies kann sich für sie und für die Gesellschaft als Chance erweisen: "Zweiheimische" (Cornelia Spohn) verfügen über das Potential, nach beiden Seiten vermittelnd tätig zu werden.