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26.5.2002 | Von:
Klaus W. Wippermann

Editorial

Die Diskussion über moderne Massenmedien thematisiert viele Problembereiche. Darunter fällt zum Beispiel: Wie weit dürfen die Unterhaltungsmedien gehen, um mehr Zuschauer und damit mehr Werbeeinnahmen zu gewinnen?

Einleitung

Die Diskussion über moderne Massenmedien und Informationssysteme thematisiert vor allem zwei Problembereiche: Wie weit dürfen die Unterhaltungsmedien gehen, um mehr Zuschauer und damit mehr Werbeeinnahmen zu gewinnen? Wer sorgt wie dafür, dass den vielfältigen Gefahren bzw. Gefährdungen der universalen Netzwerkkommunikation begegnet wird? Für den ersten Aspekt steht das Stichwort 'Big Brother', für den zweiten 'IT-Sicherheit'. Dabei geht es einerseits um die Fragen der traditionellen Medienethik - also letztlich um den Konflikt zwischen Moral, Menschenwürde und freier Selbstentfaltung hinsichtlich zunehmender Kommerzialisierung - und andererseits um den Konflikt zwischen unbegrenzter digitaler Kommunikation und den vielen Möglichkeiten ihres Missbrauchs: gesellschaftlich, politisch und nicht zuletzt ökonomisch.

Bei der Serie 'Big Brother' handele es sich nicht um einen Einzelfall, sondern um den Beginn eines neuen 'TV-Formats' - des so genannten 'Realitätsfernsehens' -, weshalb Thomas Bohrmann kritische Kommentare angebracht sieht. Die intensive Diskussion um 'Big Brother' habe gezeigt, dass die Öffentlichkeit noch nicht gänzlich unempfindlich geworden sei gegenüber der Tatsache, dass es bei diesem 'reality-TV' nicht um Schauspieler gehe, die eine 'Rolle' spielen, sondern um Menschen, die sich selbst, ihre Privatheit 'ver-kaufen', die letztlich also bloßgestellt werden.

Auf diesen wesentlichen Unterschied macht auch Rüdiger Funiok aufmerksam. Das Beispiel 'Big Brother' zeige, dass die Medienethik keineswegs ein akademischer Diskurs moralischer Bedenkenträger sei, sondern dass dieses Thema eine große Öffentlichkeit direkt betreffe. Schon früher wurde unter dem Aspekt der Verantwortung vielfach über 'Gewalt im Fernsehen' diskutiert, dies vor allem im Hinblick auf die negativen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche - eine Diskussion, die offensichtlich immer noch nicht zu Ergebnissen geführt hat, wie nicht zuletzt die aktuellen Probleme zeigen. Nun kommt noch die mediale Kommerzialisierung des Privatlebens von Menschen hinzu. Mehr denn je ist hier eine kritische Medienöffentlichkeit gefragt, aber noch mehr das Verantwortungsbewusstsein der Medienmacher selbst.

Wie die Ethik auf das Vertrauen in Werte und Normen gründet, so müssen auch für die neuen technischen Medien unserer jetzt beginnenden digitalen Informationsgesellschaft Normen des Vertrauens, ja der Sicherheit entwickelt werden. Elektronische Netzwerke prägen immer mehr den Alltag von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie ermöglichen die immer dichter werdende Kommunikation bis hin zur Globalisierung. Gleichzeitig aber wächst die Gefahr des Missbrauchs sowie der kriminellen Beschaffung, Manipulation oder Zerstörung von Daten, wie Olaf Winkel dies anhand von Beispielen aufzeigt. Dagegen Sicherungsmaßnahmen zu treffen, ist außerordentlich kompliziert - zumal dies nur im Rahmen internationaler Kooperation erfolgen kann.

Die IT-Sicherheit ist auch das Thema von Reinhard Hutter. Je wichtiger die elektronischen Netzwerke für alle Bereiche des Alltags werden, desto größer wird ihre Gefährdung. Voraussehbare Störungen, ja gezielte Angriffe dürften heute noch unvorstellbare Auswirkungen auf alle Lebensbereiche haben. Der Autor schildert die internationalen Maßnahmen zur Erkennung und zur Abwehr solcher Gefahren, die in der Öffentlichkeit in ihrem möglichen Ausmaß noch relativ unbekannt sind.