Bei einer populären Wrestling-Show im April 2007 rasierte Donald Trump nach einer gewonnenen Wette dem WWE-Chef Vince McMahon den Kopf

27.10.2017 | Von:
Christina Lotter

Editorial

Die Art und Weise, wie Politik gemacht und über Politik geredet wird, scheint gegenwärtig im Umbruch. In mitunter aufgeregten Debatten wird versucht, innenpolitische Entwicklungen wie den Aufstieg der "Alternative für Deutschland" und eine allgemeine Veränderung des gesellschaftlichen Klimas, wie auch außenpolitische Ereignisse wie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten oder das Vorgehen der Präsidenten Putin in Russland und Erdoğan in der Türkei zu benennen und dadurch fassbar und erklärbar zu machen.

Im öffentlichen wie auch im wissenschaftlichen Diskurs tauchen dabei vermehrt Begriffe wie "Antipolitik", "illiberale Demokratie" oder "Antipopulismus" auf. Der Vorwurf des Populismus etwa wurde im jüngsten Bundestagswahlkampf fast schon inflationär gebraucht, um scheinbar beliebig politische Gegner zu diskreditieren – fraglich bleibt jedoch, in welchem Umfang tatsächlich populistische Aussagen verwendet wurden und ob sie sich für die Parteien überhaupt als hilfreich erwiesen. Auch "postfaktisch" dürfte im deutschen Sprachraum weder als Begriff noch als Phänomen weithin bekannt gewesen sein, bevor es herangezogen wurde, um den Umgang Trumps und anderer mit Fakten zu beschreiben.

Vermögen es diese Begriffe – die letztendlich Diagnosen sind –, trennscharf und analytisch genau die Verhältnisse wiederzugeben? Was bedeuten die skizzierten Entwicklungen für die Demokratie und unser gesellschaftliches Zusammenleben, und welche Rolle spielen dabei die Medien? Haben wir es mit neuen Phänomenen zu tun, oder mit alten Sachverhalten in neuem Gewand? Und können diese Phänomene als ein Ganzes als "Wandel des Politischen" zusammengefasst werden?

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