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26.5.2002 | Von:
Günter Schlusche

Die Parlaments- und Regierungsbauten des Bundes im Kontext der Berliner Stadtentwicklung

VII. Die Zukunft des Schlossplatzes

Zugleich fällt das Auge auf die Leerstelle des Schlossplatzes und den Palast der Republik, der nach Abschluss der Asbestentfernung vollständig skelettiert sein wird. Die Tatsache, dass sich hier nun keine Büroflächen des Bundes ausbreiten werden, sollte nicht als Hiobsbotschaft, sondern als gute Nachricht begriffen werden. Die geschichtliche Bedeutung dieses Platzes verlangt nicht nach einer doch eher flachen und für die Öffentlichkeit unergiebigen Nutzung durch eine Ministerialverwaltung. Das Nutzungsprogramm für diesen Ort müsste internationale Dimensionen haben, etwa in Gestalt einer ost- und westeuropäische Werte integrierenden Institution. Und schließlich sollte dieser Ort der Gesellschaft gehören, wie es schon vor acht Jahren der Philosoph Peter Sloterdijk mit den Worten von einem "geistig-kulturellen Gesellschaftsobservatorium des 21. Jahrhunderts" [17] umriss. Hier könnte nach den unangemessenen Denunziationsversuchen gegenüber allem zu DDR-Zeiten Gebauten nun über eine generöse bauliche Geste der Synthese von ost- und westdeutschen Mentalitäten, von historischer Kontinuität und modernem Gestaltungsanspruch nachgedacht werden. Es ist zu hoffen, dass die von Bund und Land vor einem knappen Jahr eingesetzte Schlossplatzkommission derartige Nutzungsmöglichkeiten sorgfältig durchdenkt und die Ergebnisse der sicherlich noch Jahre in Anspruch nehmenden Gestaltsuche nicht durch vorschnelle formale Festlegungen präjudiziert.

Fußnoten

17.
Peter Sloterdijk, Zur Konzeption eines geistig-kulturellen Gesellschaftsobservatoriums in der Stadtmitte, Vortrag auf der 29. Sitzung des Berliner Stadtforums am 14. Mai 1993.