APUZ Dossier Bild

26.5.2002 | Von:
Günter Schlusche

Die Parlaments- und Regierungsbauten des Bundes im Kontext der Berliner Stadtentwicklung

VIII. Der Bereich Invalidenstraße

Es wäre ungerecht, an dieser Stelle über zwei Standorte von Bundesministerien hinwegzugehen, die zwar außerhalb des bisher behandelten Bereichs der Alten Mitte stehen, die aber dennoch Beachtliches für die Stadt leisten. Es handelt sich um die Standorte des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Wohnungswesen und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie an der Invalidenstraße. Diese Straße am nördlichen Rand der Friedrich-Wilhelm-Stadt ist durch großgeschnittene Altbausolitäre und durch ein für Berlins Mitte untypisches Wechselspiel von Freiräumen und Baukörpern geprägt. Die Nutzung von zwei dieser Altbaukomplexe durch die Ministerien war nicht möglich ohne zusätzliche Neubauten. Beim Bauministerium ist es der Altbau der ehemaligen Preußischen Geologischen Landesanstalt, der durch den nördlichen und annähernd gleich dimensionierten Neubau des Architekten Max Dudler eine reizvolle Doppelung erfahren hat. Der westlich gegenüberliegende Altbaukomplex des Bundeswirtschaftsministeriums ist ein Mixtum compositum von außerordentlichem denkmalgeschichtlichem Wert, dessen älteste Teile aus dem 18. Jahrhundert stammen, aber durch Krieg und durch die Grenzlage direkt neben der Mauer stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Umso höher einzuschätzen ist der denkmalgerechte Wiederaufbau des Komplexes und die Ergänzung der zerstörten Teile durch Neubauten, die zwar in architektonischer Hinsicht nicht hervorstechen, aber bemerkenswerte ökologische Ansprüche realisieren. Aus städtischer Sicht ist es besonders wichtig, dass die bauliche Wiederherstellung dieser beiden Altbaukomplexe einherging mit der Rückgewinnung und Neugestaltung des zwischen ihnen liegenden Invalidenparks. Es bleibt zu hoffen, dass diese gelungene Umsetzung dem Prozess der Rückgewinnung dieses ramponierten Quartiers nachhaltigen Schub verleihen wird.