Schlaraffenland. Farbdruck nach Zeichnung von Pauli Ebner

5.1.2018 | Von:
Ingrid Hoffmann
Carolin Krems
Thorsten Heuer
Maria Gose

Zum Ernährungsverhalten in Deutschland

Ernährung im Tagesverlauf

"Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König und abends wie ein Bettelmann." Dieses alte Sprichwort besagt, dass morgens reich und üppig gegessen werden sollte, während das Abendessen die kleinste Mahlzeit des Tages sein soll. Folgen die Deutschen heutzutage diesem Sprichwort?

Der Durchschnittsdeutsche frühstückt zwischen 8 und 9 Uhr, um 13 Uhr gibt es ein Mittagessen und gegen 19 Uhr steht das Abendessen auf dem Tisch.[31] Drei Mahlzeiten am Tag sind daher immer noch Standard für weite Teile der Bevölkerung. Allerdings erfolgt nach Auswertungen der NVS II die höchste Energiezufuhr am Abend. Mehr als ein Drittel der täglichen Energie nehmen Männer und Frauen abends auf. Der Anteil der Energiezufuhr am Morgen und am Mittag beträgt jeweils ein Viertel an der Gesamtenergiezufuhr. Bei Betrachtung der Energiezufuhr im Tagesverlauf differenziert nach Alter zeigt sich für Senioren (65–80 Jahre) eine annähernd auf Frühstück, Mittag- und Abendessen gleichverteilte Energiezufuhr. Junge Erwachsene (18–34 Jahre) wiederum zeigen hinsichtlich des Zeitpunktes der Mahlzeitenaufnahme insgesamt eine höhere Variabilität und damit ein weniger stark ausgeprägtes Mahlzeitenmuster als Senioren, die einen stärker strukturierten Tagesverlauf aufweisen.

Auch hinsichtlich der Aufnahme von Makronährstoffen können Unterschiede zwischen den Tagesabschnitten festgestellt werden. Am Abend erfolgt die höchste Zufuhr sowohl an Kohlenhydraten als auch an Fett und Proteinen. Die Fett- und Proteinzufuhr ist zudem am Mittag höher als am Morgen. Die Alkoholzufuhr ist erwartungsgemäß nicht sehr stark über den Tag verteilt: Der Großteil der Alkoholzufuhr (rund 80 Prozent) findet erst nach 17.30 Uhr statt.

Das Frühstück stellt heute also nicht mehr die größte Mahlzeit dar. Die Deutschen scheinen eher morgens und mittags wie ein König zu essen und abends wie ein Kaiser.

Vegetarier auf dem Vormarsch?

Vegetarische Gerichte sind immer häufiger auf den Speisekarten von Restaurants oder Kantinen zu finden. In den Supermärkten oder Discountern gibt es spezielle Bereiche für Fleischersatzprodukte und mittlerweile scheint ein Großteil der Bevölkerung mindestens eine Person zu kennen, die sich vegetarisch oder vegan ernährt. Gefühlt wird Deutschland von einer "Veggie-Welle" überrollt. Aber hat sich der Anteil der Vegetarier in Deutschland wirklich erhöht? Um diese Frage beantworten zu können, muss der Begriff Vegetarier klar definiert sein.

Grundsätzlich werden vier Arten von Vegetariern unterschieden: Veganer meiden alle Lebensmittel tierischen Ursprungs, das heißt, sie essen weder Fleisch noch Fisch noch Eier und Milch und deren Produkte. Honig wird zum Teil ebenfalls vom Speiseplan gestrichen. Ovo-Vegetarier verzehren kein Fleisch und Fisch sowie keine Milch und Milchprodukte, essen aber Eier. Auf dem Tisch von Lacto-Vegetariern sind ebenfalls weder Fleisch noch Fisch zu finden. Im Gegensatz zu den Ovo-Vegetariern essen sie keine Eier, erlauben sich aber den Verzehr von Milch und Milchprodukten. Ovo-Lacto-Vegetarier bilden die größte Gruppe der Vegetarier. Sie verzehren kein Fleisch und Fisch, essen jedoch Eier und Milch und Milchprodukte.

Zudem vermeiden einige Vegetarier (insbesondere Veganer) auch Alltagsgegenstände tierischer Herkunft – Lederschuhe, Federkissen oder Seidenblusen sind in diesem Fall tabu.

Oft werden auch Personen zu den Vegetariern gezählt, die kein Fleisch essen, dafür aber Fisch verzehren (Pesco-Vegetarier). Dies ist streng genommen nicht korrekt, denn Vegetarier verzehren keine Lebensmittel von getöteten Tieren.

In der NVS II und NEMONIT wurden die Teilnehmenden auch nach der Einhaltung einer bestimmten Ernährungsweise wie etwa dem Vegetarismus gefragt. Danach betrug die Zahl der Vegetarier (inklusive Veganer) für den Zeitraum 2005 bis 2007 rund 1 Prozent.[32] 2012/2013 gaben rund 2 Prozent der Befragten an, dass sie sich vegetarisch ernähren.[33] Zudem ist auch die Zahl der Personen gestiegen, die auf Fleisch verzichten, aber Fisch verzehren: von rund 0,7 Prozent auf 1,5 Prozent. Aufgrund der zugrundeliegenden strengen Definition von "Vegetariern" liegen die Ergebnisse zum Teil deutlich unter den Angaben verschiedener Interessenverbände und Marktforschungsinstitute.[34] Der Eindruck, dass sich die Anzahl der Vegetarier in Deutschland erhöht hat, kann trotzdem bestätigt werden. Dennoch stellt die Gruppe der Vegetarier nur einen sehr kleinen Teil der deutschen Bevölkerung dar.

Zusammenfassung

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Ernährung der Deutschen hinsichtlich des Lebensmittelverzehrs und der Nährstoffzufuhr nur wenig verändert. Auch wenn die Nährstoffzufuhr in Deutschland überwiegend im wünschenswerten Bereich liegt, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lebensmittelauswahl noch weit von den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung entfernt ist und Übergewicht und Adipositas in der erwachsenen Bevölkerung weit verbreitet sind. Die aufgezeigten Motive von Personen, die Supplemente einnehmen, die steigende Anzahl an Vegetariern und die wachsende Nachfrage nach Bio-Produkten deuten zwar darauf hin, dass das Thema Gesundheit und gesunde Ernährung in Deutschland an Bedeutung gewinnt. Aber trotz dieses zunehmenden Bewusstseins und eines umfangreichen Lebensmittelangebotes, das eine gesunde Ernährung erlaubt, zeigte sich bisher noch keine Veränderung in der Lebensmittelauswahl in eine positive Richtung. Es bleibt also dabei: Auch wenn sich Frauen günstiger ernähren als Männer, besteht für beide Geschlechter weiterhin Verbesserungsbedarf und -potenzial.

Fußnoten

31.
Vgl. Friederike Wittig et al., Energy and Macronutrient Intake over the Course of the Day of German Adults: A DEDIPAC-study, in: Appetite 114/2017, S. 125–136.
32.
Vgl. Marianne Eisinger/Thorsten Heuer, Ernährungsverhalten in Deutschland – Daten der Nationalen Verzehrsstudie II, in: DGE (Hrsg.), Ernährungsbericht 2008, Bonn 2008, S. 38–49.
33.
Vgl. MRI, Längsschnittstudie NEMONIT, http://www.mri.bund.de/de/institute/ernaehrungsverhalten/forschungsprojekte/nemonit«.
34.
Vgl. Vegetarierbund Deutschland, Anzahl der Veganer und Vegetarier in Deutschland, vebu.de/veggie-fakten/entwicklung-in-zahlen/anzahl-veganer-und-vegetarier-in-deutschland; siehe hierzu auch den Beitrag von Tamara Pfeiler in dieser Ausgabe (Anm. d. Red.).
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