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26.5.2002 | Von:
Dorit Sing

Die Situation älterer Menschen in der Phase nach dem Erwerbsleben

Die "dritte Lebensphase" ist längst zu einem eigenständigen Lebensabschnitt geworden. Mit der "Entberuflichung" des Alters fehlt dieser jedoch der strukturierende und gesellschaftlich integrierende Einfluss der Erwerbsarbeit.

Einleitung

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung einerseits und des tendenziell gesunkenen Renteneintrittsalters andererseits hat die nachberufliche Lebensphase in der Vergangenheit sowohl für jeden Einzelnen als auch für die Gesellschaft insgesamt an Bedeutung gewonnen. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen nur wenige Menschen in den Genuss einer - damals in keinem Fall die Existenz sichernden - Rente. Heute ist die nachberufliche Zeit eine eigenständige Lebensphase, die von vielen noch wenigstens 10 bis 20 Jahre aktiv gestaltet werden kann.

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  • Während in früheren Beiträgen zum Thema bereits auf die verschiedenen Zeitverwendungsmuster Älterer hinsichtlich ihrer Freizeitaktivitäten, aber auch hinsichtlich produktiver Tätigkeiten eingegangen wurde [1] , steht im Mittelpunkt dieses Beitrags vor allem die gesellschaftliche Teilhabe und aktive Gestaltung dieser Lebensphase. Dies setzt ein gewisses Maß an sozialer Integration voraus, das durch die Frühverrentungsprozesse in den letzten Jahren unter Umständen negativ beeinflusst wurde. Im Folgenden soll daher der Frage nachgegangen werden, ob und inwieweit die Ausgestaltung des Übergangs in die Rente Auswirkungen auf die mögliche gesellschaftliche Integration hat oder aber - im Sinne einer Bruchstelle - den Ausschluss immer größerer Bevölkerungsteile bewirkt. Mit diesem Aspekt eng verbunden ist die Frage nach den (Aus-)Wirkungen ehrenamtlichen Engagements für die Betroffenen selbst sowie für die Gesellschaft an sich - und dies noch völlig unabhängig von dem jeweiligen Engagementbereich. Denn der Übergang in die Rentenphase gelingt nicht selbstverständlich. Während es sicherlich einer nicht geringen Zahl von Älteren möglich ist, die neu gewonnene Zeit in gutem Gesundheitszustand und mit ausreichenden finanziellen Ressourcen zu genießen - beispielsweise auf ihrem Altersruhesitz auf Mallorca, durch körperliche Betätigung im eigenen Garten oder auch dadurch, dass sie lange geplantes soziales Engagement nun in die Tat umsetzen -, gibt es auf der anderen Seite nicht wenige, die nicht in der Lage sind, diese Lebensspanne sinnvoll zu gestalten. Das ist vor allem dann nicht möglich, wenn der Rente lange Phasen der Arbeitslosigkeit vorausgingen. Gerade auch die Altersteilzeit, die eine sinnvolle Variante eines gleitenden Rentenübergangs darstellt und an sich idealtypisch bereits mit anderen sinnstiftenden - nicht nur ehrenamtlichen - Tätigkeiten außerhalb der Erwerbsarbeit kombiniert werden könnte [2] , verfehlt als Blockmodell diese Intention. So hat sich in der Praxis gezeigt, dass von den Arbeitnehmern in Altersteilzeit in der Regel eben nicht die Variante der stufenweisen Verkürzung der täglichen Arbeitszeit und der Inanspruchnahme einer Altersrente gewählt wird, sondern diese lieber Vollzeit weiterarbeiten, dafür aber weit vor dem 65. Lebensjahr in den Ruhestand gehen.

    Fußnoten

    1.
    Vgl. etwa Petra Brösch/Gerhard Naegele/Christiane Rohleder, Freie Zeit im Alter als gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 35-36/2000, S. 30-38.
    2.
    Zu einem entsprechenden Modell vgl. Fritz Böhle, Alter und Arbeit - Erwerbsarbeit zwischen Markt und Staat als neue Herausforderung für die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, in: Christoph von Rothkirch (Hrsg.), Altern und Arbeit. Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft, Berlin 2000.