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15.7.2002 | Von:
Olaf Köller
Jürgen Baumert

Das Abitur - immer noch eingültiger Indikator für die Studierfähigkeit?

IV. Implikationen für die studien-vorbereitende Funktion der Schule

Auf Grund der Ergebnisse aus den internationalen Schulleistungsstudien TIMSS und PISA ist es mittlerweile unstrittig, dass es im deutschen Bildungssystem Optimierungsbedarf gibt. Dies belegen auch die gerade berichteten Befunde zu drei Kerndimensionen der Studierfähigkeit. Sie zeigen, dass ein erheblicher Teil der kurz vor dem Abitur stehenden Schülerinnen und Schüler die Standards verfehlt, die zu erreichen für ein erfolgreiches Studium notwendig ist. Dennoch dürfte Dramatisierung unangemessen sein. Zum einen belegen die Befunde von Olaf Köller u. a., [23] dass leistungsschwächere Abiturienten auch eine geringere Studienneigung besitzen. Selbstselektivität wirkt hier offensichtlich präventiv gegen das Scheitern im Studium. Zum anderen zeigen Untersuchungen zu Ursachen von Studienabbrüchen, dass oftmals weniger Defizite in den Eingangsleistungen als vielmehr soziale Probleme der Studiensituation zu einem Studienabbruch führen. [24] Cum grano salis lässt sich festhalten, dass im bundesdeutschen System der Sekundarstufe II die Vorbereitung auf das Studium gelingt, wenn Mindeststandards in den Kernfächern erreicht werden. Optimierungsmaßnahmen sind allerdings dringend notwendig, nicht nur um Mindestvoraussetzungen besser zu sichern, sondern auch um breitere Anteile eines Jahrgangs auf ein erfolgreiches Hochschulstudium vorzubereiten.

Fußnoten

23.
Vgl. O. Köller u. a. (Anm. 15).
24.
Vgl. Andreas Gold, Studienabbruch, Abbruchneigung und Studienerfolg: Vergleichende Bedingungsanalysen des Studienverlaufs, Frankfurt/M. 1988.