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5.6.2002 | Von:
Marc Szydlik

Familie - Lebenslauf - Ungleichheit

III. Fazit

Familien sind mächtige Solidaritätsinstanzen. Die Generationensolidarität gilt lebenslang. Eltern kümmern sich um ihre Kinder nicht nur, während diese noch bei ihnen leben. Auch im Erwachsenenalter fließen weiterhin bedeutende Transferströme an die nächste Generation - bis hin zu Vererbungen. Transferleistungen von Eltern an erwachsene Kinder tragen über den gesamten Lebenslauf zu einer Vertiefung sozialer Ungleichheit bei. Diejenigen, die bereits in ihrer Kindheit und Jugend bessere Chancen hatten, sind auch im Erwachsenenalter stark bevorteilt: Wer hat, dem wird gegeben.

Leider hat die erwünschte lebenslange Familiensolidarität unwillkommene "Nebenwirkungen". Sie reproduziert und vergrößert die ohnehin vorhandene soziale Ungleichheit. Sie erhöht die Chancen der Kinder besser gestellter Eltern und verringert dementsprechend die Möglichkeiten der Kinder weniger betuchter Eltern. Die immensen Leistungen, die Familien vollbringen, sind hoch anzuerkennen und nach Kräften zu fördern. Gleichzeitig muss es aber auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe sein, für eine Verringerung der Ungleichheit qua Geburt zu sorgen. Dabei sind diejenigen zu unterstützen, die nicht von Haus aus das Glück haben, in Familien aus mittleren und höheren Sozialschichten hineingeboren worden zu sein. Um dies in Zeiten knapper Kassen zu erreichen, wird man nicht umhinkönnen, die gesellschaftliche Solidarität zwischen armen und reichen Familien auszuweiten. Dazu gehört die besondere Förderung benachteiligter Kinder während der Schulzeit ebenso wie die Erhöhung der sehr niedrigen Erbschaftssteuern.