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22.5.2002 | Von:
Heiner Keupp

Kommunale Förderbedingungen für bürgerschaftliches Engagement

Das Freiwilligenengagement befindet sich in einem Modernisierungsprozess. Die empirisch nachgewiesenen Potenziale, die nicht mehr über traditionelle Milieubindungen und Vergemeinschaftungsformen handlungswirksam werden können, benötigen neue "Gelegenheitsstrukturen".

Einleitung

In diesem Artikel greife ich auf Teile meines Gutachtens "Lokale Einrichtungen zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements: Freiwilligenagenturen, Selbsthilfekontaktstellen, Seniorenbüros u. ä. - Chancen und Restriktionen" zurück, das für die Enquete-Kommission "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" des Deutschen Bundestages erstattet wurde.

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  • Die Bundesrepublik Deutschland befindet sich in einer Phase des gesellschaftlichen Wandels, der mit Schlagworten wie Globalisierung, Pluralisierung und Individualisierung angedeutet ist. Dieser Wandel erfasst nicht nur den ökonomischen und politischen Bereich, sondern bedeutet - in den Worten von Manuel Castells einen "qualitativen Wandel in der menschlichen Erfahrung" [1] . Die Konsequenzen einer sich herausbildenden globalen Netzwerkgesellschaft betreffen "den gesamten Bereich der menschlichen Aktivität ..., und transformieren die Art, wie wir produzieren, konsumieren, managen, organisieren, leben und sterben" [2] . Von diesem Wandel ist auch das freiwillige soziale Engagement betroffen. Es löst sich aus den milieuspezifischen Kontexten, in denen traditionelle Engagementformen ihre spezifische Paßform gefunden hatten.

    Empirisch immer besser fundiert, lässt sich festhalten, dass

    1. sich eine Desynchronisation von individuellen Motivlagen und überkommenen Engagementformen vollzieht;

    2. es institutionell ungebundene Engagementbereitschaften gibt, die als Potenziale für ein verändertes Freiwilligenengagement angesehen werden können und

    3. in den letzten Jahren eine Reihe von Suchbewegungen entstanden sind, die zeitgerechte Passungen von individuellen Engagementmotiven und -bereitschaften erproben. Es kommt jetzt darauf an, deren Ertrag auszuwerten, ihre zukunftsfähigen Erfahrungsknoten herauszuarbeiten und nach den Bedingungen ihrer nachhaltigen Verstetigung zu fragen.

    Auf der Basis dieser Ausgangsthese sollen hier vor allem die Erfahrungen jener Werkstätten eines "demokratischen Experimentalismus" [3] ausgewertet werden, die seit den siebziger Jahren als selbstaktive Felder der gesellschaftlichen Modernisierung in der bundesrepublikanischen Gesellschaft entstanden sind.

    Fußnoten

    1.
    Manuel Castells, The rise of the network society, Band 1 von The information age: Economy, society and culture, Oxford 1996 (deutsche Übersetzung 2001), S. 477.
    2.
    Ders., Informatisierte Stadt und soziale Bewegungen, in: M. Wentz (Hrsg.), Die Zukunft des Städtischen, Frankfurt/M. 1991, S. 137 - 147.
    3.
    Vgl Hauke Brunkhorst (Hrsg.), Demokratischer Experimentalismus. Politik in der komplexen Gesellschaft, Frankfurt/M. 1998.