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1.7.2003 | Von:
Heike Leitschuh-Fecht

Die lebenswerte Stadt ist möglich

Attraktive (Mobilitäts-)Konzepte für die Innenstädte

Alle Versuche, das Auto aus den Städten zurückzudrängen, sind weitgehend gescheitert. Es wird daher in Zukunft vor allem darauf ankommen, die verschiedenen Möglichkeiten der Fortbewegung stärker sinnvoll miteinander zu verknüpfen.

Einleitung

Die europäische Idee der Stadt verbindet viele Funktionen in räumlich konzentrierter Form: Auf relativ engem Raum befinden sich Behörden, Einzelhandelsgeschäfte, Wohnungen, Kultureinrichtungen und viele Unternehmen. Doch an ihren Rändern fransen die Städte immer weiter aus: Noch immer entstehen vor den "Toren" der Stadt neue Wohn- und Gewerbegebiete sowie Einkaufszentren auf der "grünen Wiese". Damit müssen die meisten Menschen immer längere Wege zurücklegen zwischen Wohnung und Arbeitsstelle, zum Einkaufen oder ins Kino. Die Gründe für diese so genannte "Suburbanisierung" sind vor allem ein wenig nachhaltiges Flächenmanagement sowie eine falsche Subventionspolitik. Hinzu kommt, dass insbesondere Familien mit kleinen Kindern zunehmend Wohnungen in verkehrsärmeren Gegenden suchen, weil ihnen die Stadt als ungeeigneter Lebensraum erscheint. Die "Automobilität" begünstigt diesen Trend. Denn trotz der vielen Staus gelingt es noch immer, längere Wegstrecken zu bewältigen, ohne mehr Zeit dafür investieren zu müssen. Dass die Menschen für ein Häuschen im Grünen einen längeren Arbeitsweg in Kauf nehmen, ist jedoch nicht alleine auf das technisch immer komfortablere Auto zurückzuführen: Auch die Ansiedelungspolitik der Umlandgemeinden, die Subventionierung der Fahrten zum Arbeitsplatz durch die völlig überhöhte Entfernungspauschale sowie politisch abenteuerliche Anreize in der Bau- und Bodenpolitik (Grund- und Grunderwerbssteuer, Eigenheimzulage) induzieren diesen Trend. Alle diese Faktoren zusammen lassen es für viele Menschen überhaupt erst attraktiv erscheinen, aus der Stadt zu ziehen.Dieser Beitrag basiert auf dem Buch der der Autorin, Lust auf Stadt - Ideen und Konzepte für urbane Mobilität, Bonn 2002.