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Editorial | Ruhrgebiet | bpb.de

Ruhrgebiet Editorial Was ist das Ruhrgebiet? Eine historische Standortbestimmung Der Ruhrbergbau. Von der Industrialisierung bis zur Kohlenkrise Kohle geht, Kultur bleibt Die Nummer 10 mit Migrationshintergrund. Fußball und Zuwanderung im Ruhrgebiet Politischer Strukturwandel? Populismus und soziale Gegensätze im Ruhrgebiet Von der Industrieregion zur Wissensregion. Strukturwandel im Ruhrgebiet Karte

Editorial

Anne Seibring

/ 2 Minuten zu lesen

"Schaut auf diese Stadt!", betitelte das Wirtschaftsmagazin "brand eins" einen Artikel zu einer Kommune, die als "leuchtendes Beispiel in Sachen Klimaschutz gilt". Die Rede ist von der "Innovation City" Bottrop – ausgerechnet dort, wo gerade die letzte Zeche im Ruhrgebiet, Prosper-Haniel, geschlossen wurde. Der lange Abschied von der Steinkohle in Deutschland, der bereits mit der Kohlenkrise in den späten 1950er Jahren begonnen hatte und nur dank Subventionen in Milliardenhöhe herausgezögert wurde, ist vollzogen.

Kohle und Stahl haben die Region, die erst unter "Rheinisch-Westfälischer Kohlenbezirk", später als "Ruhrgebiet" bekannt wurde, tief greifend geprägt. Die Hinterlassenschaften der Schwerindustrie werden einerseits – Stichwort Renaturierung – zum Verschwinden gebracht, andererseits – trotz anfänglicher Abrisseuphorie – als industriekulturelles Erbe gepflegt. Das Doppelstrebengerüst auf Zeche Zollverein gilt mittlerweile als Wahrzeichen der "Metropole Ruhr", wie das Ruhrgebiet aus marketingstrategischen Erwägungen heraus nun genannt werden soll.

Das Ruhrgebiet habe sich, schrieb 2010 der Autor Frank Goosen, "das Recht erarbeitet, sich hemmungslos zu stilisieren, und sich zu dem zu bekennen, was es einzigartig macht, nämlich eben die Arbeit. Zumindest die von früher." Für Regionalstrategien, Wirtschaftsförderung und Lokalpolitik nimmt sich die Verbindung von oft folklorisierter Vergangenheit und viel beschworener Zukunft mitunter zwiespältig aus. Stolz auf die bergmännische Kultur, das Arbeitsethos und den Zusammenhalt unter wie über Tage mischt sich mit Sorge, das Etikett "Kohlenpott" und die fortdauernde Assoziation der Region mit Arbeitslosigkeit, Verschuldung und sozialer Segregation könnte dem durchaus erfolgreichen Aufbruch zu einem Standort für innovative Produkte und Dienstleistungen schaden.