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1.4.2004 | Von:
Bärbel Dieckmann
Maria Hohn-Berghorn

Kommunale Zusammenarbeit in der Praxis

Bonn und seine Projektpartnerstadt Ulan Bator

Der Nutzen

Am Ende des Projektes stellten sich beide Projektpartner die Frage: Hat sich der Einsatz gelohnt, war es die Anstrengung wert? Die Antwort war ein klares "Ja". Dafür gibt es viele Gründe.

Die Trainees aus Ulan Bator haben im Projektverlauf neue Erkenntnisse und Erfahrungen gewonnen und neue Denkmuster kennen gelernt. Ergebnis war eine Modifizierung des ursprünglich großräumig angelegten Planungsverfahrens, die Trainees wollen jetzt in Dari-Ekh in kleinen, nachvollziehbaren Schritten vorgehen und den Bürgerwillen respektieren. Sie haben die feste Absicht, sich mit der neuen Herangehensweise durchzusetzen. Dank des In-Home-Trainings hatten auch viele ihrer mongolischen Kolleginnen und Kollegen die Chance, die neuen Sichtweisen kennenzulernen. So stehen die Trainees in ihrer Verwaltung nicht allein da. Inzwischen haben sie sich einen Ruf als Experten erworben und werden oftmals um Rat gefragt. Partizipation wird in Ulan Bator allmählich akzeptiert, der Bürgerwille gefördert und nicht mehr ignoriert.

Auch wenn am Ende des Projektes Enttäuschung darüber aufkam, dass keine weiteren investiven Maßnahmen folgten, haben die Kolleginnen und Kollegen aus Ulan Bator den Wert des Erfahrungsaustausches erkannt. Dazu gehörte auch ein wenig Glück. Denn mit dem neu konzipierten, auf Partizipation und Good Governance basierenden Stadtentwicklungsplan für das Dari-Ekh-Viertel gelang es, Gelder von der Asiatischen Entwicklungsbank zu erhalten. Für alle Beteiligten ist dies ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich die Anstrengung gelohnt hat. Darüber hinaus hat das Projekt in Ulan Bator eine Diskussion über Dezentralisierung ausgelöst, auch im politischen Raum. Ein kleiner Nebeneffekt: Die Dolmetscherin, eine mongolische Politikstudentin aus Berlin, war von dem Thema so fasziniert, dass sie ihre Diplomarbeit über kommunale Entwicklungszusammenarbeit verfasste. Heute arbeitet sie in einem GTZ-Projekt in der Mongolei.

Nicht weniger groß war der Nutzen auf Seiten Bonns. Bonner Verwaltungsexperten waren insgesamt dreimal in Ulan Bator. Sie stimmen in einem überein: Wir brauchen das Fremde, um das Eigene als Eigenes zu erfahren. Alle haben neue Perspektiven auf ihr eigenes Tun erhalten. Ihnen ist deutlich geworden, wie hoch die Standards in der Bundesrepublik Deutschland inzwischen sind. "Wir werden immer nur mit der Forderung nach Verbesserung konfrontiert. Da läuft man leicht Gefahr, das, was wir schon erreicht haben, aus dem Blick zu verlieren", so einer der Experten. In einer Studie von US Agency for International Development (USAid) konnte zudem nachgewiesen werden, dass Verwaltungsmitarbeiter nach solchen Programmen eher die Neigung entwickeln, auch in Deutschland nach preisgünstigeren Lösungen zu suchen. Ein Kollege meinte gar, ein solches Projekt könne anregender und motivierender als jedes Führungskräfteseminar sein: "Es bietet die Chance, einmal anders auf sein Arbeitsfeld zu blicken." Der Teamgeist zwischen den am Projekt Beteiligten wirkt bis heute und ist auch bei internen Problemlösungen sehr hilfreich.

Auch die Politik in Bonn wurde von den Ergebnissen des Projektes tangiert: Im Ausschuss für internationale Beziehungen und Lokale Agenda wurde eine Diskussion über kommunale Entwicklungszusammenarbeit ausgelöst.

Konkrete Maßnahmen mit Menschen aus einem weit entfernten Land rufen ein größeres Interesse bei den Medien hervor als abstrakte Erläuterungen. Mittels handfester Fakten lässt sich zeigen, was Entwicklungszusammenarbeit ist. Sie wird für die Menschen greifbar und begreifbar. Die für viele schwer fassbare Agenda 21 wird konkret.

Ein weiterer Erfolg bestand darin, dass mehrere Nichtregierungsorganisationen aus Bonn, die in der Mongolei aktiv sind, nach der Berichterstattung auf die Verwaltung zukamen. Die Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen in Bonn wurde dadurch angeregt.

Das Projekt versteht sich als kleiner Baustein zum internationalen Profil der Stadt Bonn. Seine Ergebnisse können für Marketingzwecke eingesetzt werden und dienen somit der Profilierung und Imagebildung im internationalen Wettbewerb der Städte.

Die guten Arbeitsbeziehungen haben sich inzwischen auf beiden Seiten in persönlichen Freundschaften niedergeschlagen. Man wird sich auch in Zukunft um Rat fragen können. In Ulan Bator und Bonn denken die Verantwortlichen bereits über weitere gemeinsame Projekte nach.

Schließlich ist deutlich geworden, wie viele - vor allem junge - Menschen aus Bonn schon in der Mongolei waren und wie viel Interesse an Deutschland in Ulan Bator vorhanden ist.

In der Mongolei ist die politische Lage stabil, bei unserer Partnerstadt Minsk in Belarus gestaltet sich das Umfeld weitaus schwieriger. Dort haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Kommune in schwierigen politischen Situationen das fortsetzen kann, was auf höherer staatlicher Ebene nicht mehr möglich ist.