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15.1.2004 | Von:
Willi Leibfritz

Auswirkungen des Terrorismus auf die Volkswirtschaften und die Wirtschaftspolitik

Auswirkungen auf die gesamt-wirtschaftliche Produktivität

Die langfristigen Auswirkungen von höheren Ausgaben für Militär und innere Sicherheit auf das Wirtschaftswachstum sind negativ, weil Ressourcen von den produktiveren Bereichen der Wirtschaft in diese weniger produktiven Bereiche gelenkt werden. Groben Schätzungen der OECD zufolge führt ein dauerhafter Anstieg der Militärausgaben um ein Prozent des BIP und der privaten Sicherheitsausgaben um 0,5 Prozent des BIP längerfristig zu einer Senkung des BIP um 0,7 Prozent.

Diese Ausweitung der Staatsausgaben sowie eine gleichzeitige Steuersenkung bewirkten, dass der amerikanische Staatshaushalt von einem Überschuss ins Defizit geraten ist.[13] Die finanzpolitische Position der USA ist also deutlich ungünstiger als noch vor kurzer Zeit. Dies ist die Kehrseite der sehr starken Konjunkturstimulierung über den Staatshaushalt. Ein höheres Staatsdefizit kann zwar kurzfristig die Konjunktur stimulieren, und dies wurde in den USA auch erreicht. Mittelfristig muss es aber wieder reduziert werden, um das Wachstumspotential zu erhalten. Dies muss über Ausgabenkürzungen geschehen, wenn man Steuererhöhungen vermeiden will oder sogar weitere Steuersenkungen plant. Bisher ist allerdings noch nicht erkennbar, wann und wie der amerikanische Staatshaushalt konsolidiert werden wird. Ein anhaltend hohes amerikanisches Budgetdefizit wirkt tendenziell zinserhöhend und verdrängt damit produktivere private Investitionen. All dies wirkt sich negativ auf die gesamtwirtschaftliche Produktivität aus. Hinzu kommt, dass das hohe amerikanische Budgetdefizit einhergeht mit einem anhaltend hohen Leistungsbilanzdefizit. Dies erhöht das Risiko von Wechselkursturbulenzen mit einer scharfen Abwertung des Dollars und einer deutlichen Aufwertung des Euro, was die europäischen Exporte belasten würde.

Die gegenwärtigen Wirtschaftsprognosen für die USA und für die Weltwirtschaft gehen allerdings davon aus, dass es den USA gelingt, auch weiterhin ein relativ hohes gesamtwirtschaftliches Produktivitätswachstum zu erzielen, und dass es nicht zu Wechselkursturbulenzen kommt, welche die weltwirtschaftliche Entwicklung belasten. Dies heißt allerdings nicht, dass die erwähnten Risiken nicht bestehen, sondern lediglich, dass sie von anderen, positiven Faktoren überlagert bzw. von den Prognostikern nicht als wahrscheinlichstes Szenario angesehen werden.


Fußnoten

13.
Der gesamtstaatliche Budgetsaldo (Bund, Staaten, Gemeinden und Sozialversicherung) verschlechterte sich zwischen 2000 und 2003 um über 6 Prozentpunkte des BIP (von einem Überschuss von 1,4 Prozent im Jahr 2000 auf ein Defizit von schätzungsweise knapp fünf Prozent 2003). Weniger als ein Fünftel der Verschlechterung wurde durch die schwächere Konjunktur verursacht und rund vier Fünftel durch strukturelle Faktoren, d.h. durch diskretionäre Erhöhungen von Ausgaben und durch Steuersenkungen.