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15.1.2004 | Von:
Willi Leibfritz

Auswirkungen des Terrorismus auf die Volkswirtschaften und die Wirtschaftspolitik

Schlussfolgerungen

Das makroökonomische Krisenmanagment nach den Anschlägen vom 11. September hat insgesamt gesehen funktioniert. Die Geldpolitik hat sehr rasch reagiert, um die Finanzmärkte zu stabilisieren. Ein effizientes Krisenmanagement ist nötig, um Panikreaktionen entgegenzuwirken und das Vertrauen wiederherzustellen. Hilfreich war in dieser Situation auch, dass der amerikanische Staat zuvor finanzpolitisch in einer komfortablen Situation war, was das schnelle finanzpolitische Gegensteuern erleichtert hat.

Die durch die Terrorismusgefahr notwendigen höheren staatlichen und privaten Sicherheitskosten belasten die einzelnen Volkswirtschaften und die Weltwirtschaft auch mittelfristig. Durch diese höheren Transaktionskosten wird das Produktionspotential der Länder auf ein niedrigeres Niveau abgesenkt. Der dadurch entstehende Bremseffekt auf das Wirtschaftswachstum der nächsten Jahre dürfte in den Industrieländern aber wohl eher unter als über einem viertel Prozentpunkt liegen. Der mittelfristige Wachstumspfad, der gegenwärtig für die USA mit etwas über drei Prozent und in Westeuropa mit etwas über zwei Prozent angesetzt wird, wird dadurch also nicht entscheidend verändert. Dennoch sind die gesamtwirtschaftlichen Kosten aufgrund der höheren Transaktionskosten absolut gesehen erheblich, ganz abgesehen von den psychischen Belastungen, die der Terrorismus verursacht. Bezieht man die Belastungen aber auf das jeweilige BIP, dann sind diejenigen Entwicklungs- und Schwellenländer besonders betroffen, die stark vom internationalen Handel und vom Tourismus abhängen, und darunter vor allem diejenigen, deren geopolitische Lage als besonders anfällig für Terroranschläge gilt. Der neue internationale Terrorismus trifft also über die internationalen Verflechtungen im Waren- und Dienstleistungsverkehr besonders viele ärmere Länder, deren Menschen eine bessere Wirtschaftsentwicklung bitter nötig hätten. Es liegt nicht nur im Interesse der Amerikaner und der anderen Industrieländer, sondern letztlich auch im Interesse dieser ärmeren Länder, dem internationalen Terrorismus Einhalt zu gebieten. Ferner gewinnen die Forderungen nach einem weiteren Abbau der Handelsbarrieren gegenüber den Importen aus diesen Ländern zusätzliches Gewicht. Das Scheitern der jüngsten Welthandelsgespräche in Cancun/Mexiko ist auch deshalb bedauerlich.