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12.12.2005 | Von:
Matthias Jung
Andrea Wolf

Der Wählerwille erzwingt die große Koalition

Das Wahlergebnis

Ähnlich wie 2002, als die beiden großen Parteien mit einem Ergebnis von jeweils 38,5 % nur wenige tausend Stimmen trennten, liegen Union und SPD auch bei der Bundestagswahl 2005 recht nahe beieinander. So wird die CDU/CSU mit 35,2 % nur knapp stärkste Fraktion vor der SPD mit 34,2 %. Für alle drei Parteien zählt dies jeweils zu einem ihrer schlechtesten Ergebnisse bei einer Bundestagswahl. Von allen Wahlberechtigten entscheidet sich mit 53,1 % nur noch gut die Hälfte für Union oder SPD; so niedrig war die Zustimmung zu beiden Volksparteien bei den wahlberechtigten Bürgern mit Ausnahme von 1949 in Deutschland noch nie (2002: 60,2 %). Umgekehrt gehen die kleineren Parteien entsprechend stark aus der Wahl hervor. Sowohl die FDP, die mit 9,8 % (2002: 7,4 %) mehr als zwei Punkte zulegen kann, als auch die Grünen, die mit leichten Verlusten auf 8,1 % (2002: 8,6 %) kommen, schneiden damit im Vergleich zu früheren Ergebnissen gut ab. Die größten Zugewinne kann jedoch die Linkspartei/PDS verzeichnen. Verfehlte sie 2002, damals als PDS angetreten, mit 4,0 % klar die Fünf-Prozent-Hürde, so erreicht die Partei - jetzt mit WASG-Kandidaten auf ihrer Liste - bei der diesjährigen Bundestagswahl 8,7 %. Auch die sonstigen Parteien erhalten zusammen mit 4,0 % mehr Zustimmung als 2002 (3,0 %), was größtenteils auf die Zuwächse bei der NPD zurückzuführen ist.

Zwar übertrifft auch die Wahlbeteiligung 2005 wieder deutlich die Beteiligungsraten bei Landtags-, Kommunal- oder Europawahlen, doch mit 77,7 % stellt sie die bisher niedrigste Wahlbeteiligung bei einer Bundestagswahl dar (2002: 79,1 %). Dieser Rückgang ist aber allein auf den Westen beschränkt; in den neuen Bundesländern übten mit 74,3 % etwas mehr Wahlberechtigte als 2002 (72,8 %) ihr Wahlrecht aus. Dennoch ist die Wahlbeteiligung in den alten Ländern (78,5 %) weiterhin (2002: 80,7 %) höher als im Osten.

Der bei der Bundestagswahl insgesamt festgestellte Trend - weg von den großen, hin zu den kleineren Parteien - trifft ebenso auf die Wahlergebnisse in den alten wie in den neuen Bundesländern zu. In beiden Teilen Deutschlands sind, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, Einbußen bei Union und SPD zu verzeichnen, während sich FDP, Grüne (nur im Osten) und Linke/PDS verbessern können.

So verliert die Union in West und Ost in gleicher Höhe und ist damit wie 2002 im Westen mit 37,5 % wesentlich stärker als im Osten mit 25,3 %. Die SPD hat dagegen in den neuen Bundesländern, in denen sie 2002 klar zulegen konnte, wesentlich stärkere Verluste (minus 9,3) als in den alten Ländern (minus 3,2), in denen sie wie bereits 2002 Stimmen einbüßt. Vor drei Jahren hatte die SPD im Osten noch einen knappen Vorsprung im Vergleich zum Westen, dagegen kommt sie jetzt mit 35,1 % im Westen auf ein deutlich besseres Ergebnis als im Osten mit 30,4 %. Die FDP kann in Ost und West erneut Zugewinne verbuchen. Anders als 2002 fallen diese 2005 in den alten Bundesländern aber stärker aus als in den neuen. Hier erreicht sie jetzt 8,0 %, im Westen wird sie erstmals seit 1990 mit 10,2 % wieder zweistellig. Die Linke/PDS, die in ihrer neuen Konstellation den größten Stimmenzuwachs bei dieser Wahl erreicht, steigert sich im Westen auf 4,9 % (plus 3,8), und im Osten - dort hatte sie 2002 fast fünf Punkte verloren - wird sie mit 25,3 % (plus 8,4) zusammen mit der CDU zweitstärkste Kraft. Das ist das beste Ost-Ergebnis, das die Partei bisher bei einer Bundestagswahl erzielte. Anders die Grünen; sie bleiben trotz geringer Verluste in den alten und leichter Zugewinne in den neuen Ländern eine Partei mit hauptsächlich westlichem Zuschnitt. Mit 8,8 % im Westen und 5,2 % im Osten nähern sich ihre Ergebnisse im Vergleich zu 2002 aber an. Die anderen Parteien zusammen kommen im Westen auf 3,5 % und im Osten auf 5,8 % und bauen damit ihre Stimmenanteile jeweils aus. In beiden Teilen Deutschlands dominiert innerhalb der anderen Parteien jeweils die NPD, die in den neuen Ländern (3,6 %) aber ein deutlich stärkeres Ergebnis erhält als in den alten Ländern (1,1 %).

Gerade für die Union und die SPD ist neben den Ost-West-Differenzen auch das unterschiedliche Abschneiden im Norden und im Süden der Republik aufschlussreich, wobei hier vor allem der Blick auf die alten Bundesländer interessiert. Wie bereits bei der Bundestagswahl 2002 ist die SPD mit über 40 % besonders im Norden erfolgreich, in den südlichen Bundesländern bleibt sie dagegen unter 30 %. Umgekehrt liegt die Union im Norden, wo sie nur ein Drittel der Stimmen erhält, deutlich unter ihrem West-Ergebnis insgesamt und erzielt im Süden weiterhin ihre besten Resultate (43 %). Sie kann aber, vor allem in Bayern, nicht an das gute Abschneiden von 2002 anknüpfen. Während die CSU vor drei Jahren mit dem Spitzenkandidaten Edmund Stoiber mit knapp 59 % eines ihrer besten Ergebnisse bei einer Bundestagswahl in Bayern einfahren konnte, liegt sie jetzt (49,2 %) unter der 50-Prozent-Marke. Sie verliert im Vergleich zur Schwesterpartei im Bund weit überdurchschnittlich: 44 % aller Stimmen, welche die Union insgesamt verloren hat, gehen auf das Konto der CSU. Von diesen Einbußen kann vor allem die FDP profitieren, sie hat in Bayern doppelt so hohe Zuwächse wie in Deutschland insgesamt und erreicht mit 9,5 % ihr bisher bestes Bundestagswahlergebnis in diesem Bundesland. Als besonders markantes Ergebnis in den Bundesländern ist auch das gute Abschneiden der Linken/PDS im Saarland festzuhalten. Sicherlich bedingt durch Oskar Lafontaine - der ehemalige SPD-Vorsitzende aus dem Saarland kandidierte jetzt auf der Liste der Linken/PDS -, erreicht die Partei hier 18,5 %, das ist ihr mit Abstand bestes West-Ergebnis. Entsprechend überdurchschnittlich fallen die SPD-Verluste im Saarland aus: Mit 33,3 % hat die SPD hier das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl seit 1957.

Im Osten spielt der Faktor Bevölkerungsdichte für das Wahlergebnis der einzelnen Parteien - mit Ausnahme der Grünen, die hier wie im Westen in dichter besiedelten Gebieten besser abschneiden als in dünner besiedelten - keine entscheidende Rolle. In den alten Bundesländern gelten dagegen die bekannten Zusammenhänge: Je höher der Verstädterungsgrad, desto schlechter fällt das Ergebnis für die Union aus und umso stärker punktet die SPD. Umgekehrt hat die Union ihre besten Ergebnisse in Regionen mit geringer Einwohnerdichte, während die SPD hier nur auf unterdurchschnittliche Stimmenanteile kommt.

Waren die Unterschiede im Wahlverhalten von Männern und Frauen in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch vergleichsweise groß, so setzte sich der Trend der größeren Affinität von Frauen für die Union und von Männern für die SPD bis in die Mitte der neunziger Jahre hinein auf einem wesentlich niedrigeren Niveau fort.[1] Und während bei der Bundestagswahl 1998 die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den beiden großen Parteien praktisch keine Rolle spielten, drehten sich bei der Bundestagswahl 2002 die Vorzeichen um. Die Union wurde von Männern stärker unterstützt und die SPD von Frauen, die rot-grüne Regierung wurde 2002 von den Frauen wieder gewählt, bei den Männern hatte dagegen Schwarz-Gelb eine Mehrheit. Jetzt fallen die geschlechtsspezifischen Differenzen wieder eher gering aus. Umso interessanter ist daher der Blick auf den jeweiligen Wechsel im Wahlverhalten. Die Union, die mit Angela Merkel erstmals eine Frau als Kanzlerkandidatin ins Rennen schickte, liegt jetzt bei beiden Geschlechtern gleichauf. Im Vergleich zu 2002 verliert sie aber bei Männern (minus 5) wesentlich stärker als bei Frauen (minus 2). Die SPD konnte mit Gerhard Schröder als Kanzlerkandidat 1998 die Frauen stärker für sich gewinnen und sie 2002, anders als die Männer, halten. Jetzt ist die Partei zwar weiterhin bei Frauen etwas erfolgreicher als bei Männern, sie erleidet aber anders als vor drei Jahren bei den Frauen (minus 6) doppelt so hohe Einbußen wie bei den Männern (minus3).

Zu den Parteien im Einzelnen. Die Union, die bei Männern und Frauen mit 35 % gleich abschneidet und auch innerhalb der verschiedenen Altersgruppen kaum unterschiedliche Ergebnisse zwischen den Geschlechtern zeigt, verliert insgesamt am stärksten bei den jungen, unter 30-jährigen Männern (minus 8), aber auch bei den über 44-jährigen Männern treten überdurchschnittliche Verluste auf. Bei den Frauen fallen dagegen nur bei den 45- bis 59-Jährigen nennenswerte Stimmeneinbußen an (minus 6), bei den jüngeren Wählerinnen bleiben die Verluste unter dem Bundesschnitt, und bei den älteren kann die Partei ihr Vorwahlergebnis sogar halten. Im Westen wiederholen sich für die Union im Großen und Ganzen diese Veränderungen im Wahlverhalten von Männern und Frauen, im Osten sind die geschlechtsspezifischen Differenzen insgesamt weniger ausgeprägt. Überproportional hohe Verluste hat die CDU hier bei den 30- bis 45-Jährigen, und dies bei Männern (minus 7) wie bei Frauen (minus 8). Und während sie auch bei den 45- bis 59-jährigen Wählerinnen noch herbe Verluste (minus 6) einfährt, legt sie im Osten bei den älteren - den über 60-jährigen - Frauen als einziger Altersgruppe sogar fünf Punkte zu. Gerade hier hatte sie 2002 noch zweistellige Verluste. In den neuen wie in den alten Ländern ist die Union damit bei über 60-jährigen Wählerinnen und Wählern wesentlich erfolgreicher als bei Jüngeren. Insgesamt kommt sie in der ältesten Wählergruppe auf 43 %, in allen anderen Altersklassen bleibt sie unter ihrem Gesamtergebnis.

Im Gegensatz dazu gibt es bei der SPD kaum Differenzen hinsichtlich des Alters der Wähler, sie erhält in allen Altersgruppen eine annähernd gleich große Unterstützung. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind im Vergleich zu 2002 insgesamt und auch in den Untergruppen deutlich geschrumpft, auch wenn die Partei weiterhin von Frauen (35 %) etwas häufiger gewählt wird als von Männern (33 %). Die größtenVeränderungen haben bei den 30- bis 44-jährigen Frauen (minus 8) und den über 60-jährigen Frauen (minus 6) stattgefunden, wobei Erstere der Partei vor allem im Westen den Rücken kehrten; im Osten, wo die SPD ja wesentlich stärker verloren hat, fallen vor allem die massiven Verluste bei den über 60-jährigen Wählerinnen (minus 17) ins Auge.

Anders als die SPD erhält die FDP, wie schon 2002, von Männern (10 %) durchweg ein wenig mehr Zustimmung als von Frauen (9 %). Am deutlichsten kann die Partei bei den über 60-jährigen Männern und Frauen zulegen, sie ist aber weiterhin bei jüngeren Wählern etwas erfolgreicher als bei älteren. Und während diese Aussage, wie bei der Union, auch für die FDP genauso für den Westen Deutschlands zutrifft, weicht der Osten davon ab: Hier haben die Freien Demokraten umgekehrt bei Frauen ein besseres Ergebnis als bei Männern und können sich genau wie die CDU vor allem bei den über 60-jährigen Frauen (plus 5) stark verbessern. Auch die Linke/PDS wird in der Summe von Männern (10 %) stärker unterstützt als von Frauen (8 %), doch trifft dies im Detail erst auf 45-jährige und ältere Wähler zu. Bei den jüngeren Wählern weist die Linke/PDS keine geschlechtsspezifischen Unterschiede auf. Überdurchschnittliche Zugewinne und ein ebensolches Ergebnis erreicht die Partei bei den 45- bis 59-Jährigen; hier wird sie mit11 % (Westen: 6 %; Osten: 30 %) auch drittstärkste Kraft. Für beide Teile Deutschlands gilt, dass die Linke/PDS am meisten bei den mittleren Altersgruppen punkten kann. Besonders interessant ist der Blick auf die Ost-Ergebnisse: Die Linke/PDS, die hier ja im Vergleich zu 2002 um ein Drittel zulegen kann, profitiert in allen Altersgruppen am stärksten von den massiven Verlusten der SPD. Einzige Ausnahme stellen die älteren Wählerinnen dar: Bei den über 60-jährigen Frauen werden die Einbrüche bei der SPD von CDU, FDP und Linken/PDS in gleichem Umfang aufgefangen. Die Grünen sind weiterhin für Frauen (9 %) attraktiver als für Männer (7 %), und dies durchgängig in allen Altersgruppen. Ihr bestes Ergebnis erzielt die Partei bei den 30- bis 44-jährigen Wählerinnen (12 %). Insgesamt ist bei den Grünen die geringste Bewegung im Wahlverhalten zu verzeichnen, und so schneiden sie wie gewohnt bei jüngeren Wählern wesentlich besser ab als bei älteren: Bei den unter 45-Jährigen kommen die Grünen auf ein knapp zweistelliges Ergebnis, bei den über 60-Jährigen (5 %) bleiben sie dagegen klar unterdurchschnittlich.

Neben Geschlecht und Alter spielt im Kontext der sozialstrukturellen Einflüsse auf das Wahlverhalten weiterhin die Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen eine entscheidende Rolle. So sind für die Stammwählerschaften der beiden Volksparteien immer noch die Allianzen zwischen Katholiken und Union einerseits und zwischen Arbeitern und SPD andererseits von besonderer Bedeutung. Intensität und Ausmaß der langfristigen Bindungen dieser Gruppen an die Parteien, die als jeweilige Interessenvertreter wahrgenommen werden, nimmt jedoch seit Jahren ab. Zudem haben die Bindungen im Osten aufgrund der unterschiedlichen historischen Entwicklung nicht die Geltung, die sie im Westen haben. Auch bei dieser Wahl fügen sich die Erkenntnisse über das sozialstrukturell bedingte Wahlverhalten nahtlos in diese Entwicklung ein.

So hat die SPD innerhalb der verschiedenen Berufsgruppen weiterhin ihr relativ bestes Ergebnis bei den Arbeitern (37 %); sie bleibt hier auch stärkste Partei vor der Union (32 %), verliert aber überdurchschnittlich. Bereits 2002 mussten die Sozialdemokraten gerade in der ihr traditionell nahe stehenden Arbeiterschaft, wo sie bis in die neunziger Jahre mehr als die Hälfte der Stimmen erhielt, massive Einbußen hinnehmen. Dieser Trend setzt sich also jetzt bei der zweiten Bundestagswahl, bei der die SPD als Regierungspartei antritt, fort. In der großen Gruppe der Angestellten und Beamten liegen Union und SPD gleichauf, und bei den Selbstständigen dominiert zwar weiterhin die Union, sie muss aber viele Stimmen an die FDP abgeben, die hier mit 20 % ihr bestes Ergebnis erzielt. Bei den Arbeitslosen heißt der klare Gewinner Linke/PDS. Sie profitiert (plus 15) von den überdurchschnittlichen Verlusten sowohl der SPD als auch der Union in dieser Gruppe und wird nach der SPD (33 %) mit 25 % zweitstärkste Partei. Besonders ausgeprägt ist die Bewegung weg von der SPD hin zur Linken/PDS in den neuen Bundesländern. So lag hier die SPD beispielsweise bei den Arbeitern 2002 noch 25 Punkte vor der PDS, jetzt schneiden beide Parteien gleich ab (jeweils 29 %). Die SPD hat also im Osten in der Arbeiterschaft ihre Vorrangstellung eingebüßt, die sie im Westen (40 %) weiterhin innehat. Anders als im Osten kann die Linke/PDS bei den Arbeitern in den alten Ländern, trotz überproportionaler Zugewinne, mit 6 % kaum Fuß fassen. Betrachtet man zusätzlich zum beruflichen Status noch die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft, so gelten, vornehmlich im Westen, die klassischen Zusammenhänge: Mit 47 % distanziert die SPD bei den Gewerkschaftsmitgliedern die anderen Parteien klar. Von den Arbeitern, die Mitglied einer Gewerkschaft sind, wählt sogar jeder zweite die SPD, im Westen kommt die Partei in dieser Stammklientel auf 54 %. Im langjährigen Vergleich ist damit aber deren Unterstützung für die SPD ebenso rückläufig wie der Anteil der gewerkschaftlich gebundenen Arbeiter selbst.

Die Gruppe der Katholiken mit starker Kirchenbindung, eine Kernwählerschaft der Union im Westen, schrumpft weiter, doch innerhalb dieser kleiner werdenden Gruppe ist die Nähe zur CDU/CSU ungebrochen: Von den Katholiken mit großer Affinität zur Kirche wählen in den alten Bundesländern 72 % die Union. Insgesamt liegt sie bei den Katholiken mit 48 % weit über ihrem Bundesschnitt und weit vor den anderen Parteien. Bei den Protestanten und Konfessionslosen behält aber die SPD ihren Vorsprung bei. Während sich bei Wählern mit einer Konfessionszugehörigkeit die Veränderungen im Abstimmungsverhalten nicht wesentlich von der Gesamtheit unterscheiden, kann die Linke/PDS ihren Stimmenanteil bei den Wählern ohne Kirchenmitgliedschaft vor allem im Westen überproportional ausbauen (plus 8). Jeder Zehnte entscheidet sich hier für die Linke/PDS, im Osten liegt ihr Anteil bei den Konfessionslosen, bei denen sie traditionell gut abschneidet, bei 30 %.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Die geringen geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Abstimmungsergebnissen der beiden großen Parteien sind darauf zurückzuführen, dass die jeweiligen Einbußen bei Männern und Frauen unterschiedlich hoch ausfallen. Bei der Bundestagswahl 2005 verliert die Union vor allem bei den Männern, die SPD vor allem bei den Frauen. Bereits nach der ersten Legislaturperiode der rot-grünen Regierung hat bei den Arbeitern und Arbeitslosen ein Schwund der SPD eingesetzt. Dieser Trend hat sich jetzt verstärkt und ist als Zeichen für die abnehmende Glaubwürdigkeit der SPD als Interessenvertreterin der Arbeiterschaft zu werten. Die Union bietet in dieser Situation aber keine Alternative, auch von ihr wenden sich Arbeiter und Arbeitslose nach Gewinnen 2002 verstärkt wieder ab. Die Unzufriedenheit der am Arbeitsmarkt Benachteiligten kann hauptsächlich die Linke/PDS kanalisieren.


Fußnoten

1.
Datenbasis für die folgende Analyse ist die Wahltagsbefragung der Forschungsgruppe Wahlen e.V. vom 18.9. 2005, Fallzahl: 24620.