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13.10.2005 | Von:
Oliver Decker
Elmar Brähler

Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland

Die Erhebung

Die hier vorgestellten Ergebnisse unserer Untersuchung im Auftrag der Universität Leipzig wurden im Zeitraum von September bis Oktober 2004 mit einem Fragebogen gewonnen, der als Ergebnis einer Konsensuskonferenz entwickelt worden war. Die Fragen und teststatistisch abgesicherten sechs Skalen zur Erfassung des Rechtsextremismus sollen auch künftigen Untersuchungen zur Verfügung stehen. Rechtsextremismus wurde hinsichtlich einer Einstellungs- und einer Handlungsebene unterschieden. Mit dem Fragebogen sollen nur Einstellungen erhoben werden. Für die Entwicklung der Fragen zur Einstellungsmessung wurde die folgende Arbeitsdefinition herangezogen: "Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen sind. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen."

Rechtsextremismus wird mit diesem Fragebogen in sechs Skalen erfasst, zu denen jeweils drei Fragen gestellt wurden. So werden die Probanden nach der Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur (beispielsweise: "Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert."), nach ihrer Zustimmung zu chauvinistischen (beispielsweise "Das oberste Ziel der deutschen Politik sollte es sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht."), ausländerfeindlichen (beispielsweise: "Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet") und antisemitischen Aussagen (beispielsweise: "Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns") befragt. Weiterhin wurde ihre Zustimmung zu Aussagen mit sozialdarwinistischem Inhalt (beispielsweise: "Es gibt wertvolles und unwertes Leben") und den Nationalsozialismus verharmlosenden Aussagen (beispielsweise: "Ohne Judenvernichtung würde man Hitler heute als großen Staatsmann ansehen") erfragt. Den Befragten wurden die Aussagen von einem Interviewer mit folgenden Worten präsentiert: "Ich lese Ihnen nun einige Sätze vor, zu denen es unterschiedliche Meinungen gibt. Bitte sagen Sie mir, ob Sie völlig zustimmen, eher zustimmen, eher ablehnen oder völlig ablehnen." Sie hatten dann die Möglichkeit, ihre Zustimmung bzw. Ablehnung auf einer fünfstufigen Skala auszudrücken ("stimme voll und ganz zu", "stimme überwiegend zu", "teils/teils", "lehne überwiegend ab", "lehne völlig ab").

Die Befragung wurde im Auftrag der Universität Leipzig vom Meinungsforschungsinstitut USUMA in der gesamten Bundesrepublik durchgeführt. Die Zufallsauswahl der Haushalte erfolgte nach dem random-route-Verfahren, wobei die im Haushalt zu befragende Zielperson ebenfalls nach dem Zufallsprinzip (dem so genannten Schwedenschlüssel) ermittelt wurde. Aus jedem Haushalt wurde somit nur eine Person befragt. Die Repräsentativität wurde durch die Ziehung von ADM-Stichproben gesichert.[17] Die Grundgesamtheit in der von uns durchgeführten Erhebung stellte die deutschsprachige, in Privathaushalten lebende Wohnbevölkerung ab 14 Jahren dar. Die Ausschöpfungsquote der Bruttostichprobe betrug in der Erhebung ca. 68 Prozent. Sie ist damit annähernd mit den entsprechenden Quoten anderer bevölkerungsrepräsentativer Umfragen (wie z.B. ALLBUS oder Wohlfahrtssurvey) vergleichbar. Für die Höhe der Ausschöpfung sind neben qualitätsneutralen (Wohnung unbewohnt, keine Person der Grundgesamtheit im Haushalt) vor allem systematische Ausfälle (im Haushalt trotz zweimaligen Besuchs niemanden angetroffen/Haushalt verreist, Haushalt verweigert Auskunft, Zielperson trotz dreimaligen Besuchs nicht angetroffen, Zielperson krank/nicht in der Lage, dem Interview zu folgen, Zielperson verweigert Interview) verantwortlich. Die genauen soziodemographischen Merkmale der Stichprobe sind Tabelle 1 zu entnehmen.


Fußnoten

17.
Vgl. Arbeitsgemeinschaft Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute (Hrsg.), Stichprobenverfahren in der Umfrageforschung, Opladen 1999.