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13.6.2005 | Von:
Hans-Georg Golz

Editorial

Albert Einsteins Relativitätstheorie hat das Bild vom Universum revolutioniert. Einstein befreite die Physik vom Positivismus und hielt weder Wissen noch Autoritäten für sakrosankt.

Albert Einsteins Relativitätstheorie - die grundlegende Vorstellung, dass Raum und Zeit in Beziehung stehen und veränderlich sind - hat das Bild vom Universum revolutioniert. Einstein befreite die Physik vom Positivismus und bahnte den Weg zur modernen Kosmologie.

Der Internationalist Einstein gilt als erster Popstar des massenmedialen Zeitalters. Er hielt weder Wissen noch Autoritäten für sakrosankt und kämpfte mit geradezu kindlicher Neugier gegen Unverstand und Nationalismen: demokratische, aufklärerische Eigenschaften, die in der Wissensgesellschaft erst recht ihre Bedeutung entfalten.

Einstein verabscheute den Hurra-Patriotismus am Vorabend des Ersten Weltkrieges, warb um Aussöhnung mit Frankreich und Großbritannien und engagierte sich gegen die Diktatur der Nationalsozialisten. Er war enttäuscht, als ihm die Mitarbeit an der Entwicklung der amerikanischen Atombombe verwehrt blieb; später ächtete er sie und trat für eine Weltregierung ein. Einsteins politisches Wirken war nicht ohne Naivität, doch es belegt nachhaltig, dass Abstinenz keine Option für Wissenschaftler sein kann.

50 Jahre nach Einsteins Tod und 100 Jahre nach den fünf epochemachenden Veröffentlichungen seines "Wunderjahres" wird das Jahrhundertgenie auf zahllosen Veranstaltungen gefeiert. Doch Grundlagenforschung ist in Zeiten des Diktats unmittelbarer ökonomischer Verwertbarkeit offenbar ein immer größerer Luxus. Bei der feierlichen Eröffnung des deutschen Einsteinjahres forderte daher Yehuda Elkana, Präsident der Zentraleuropäischen Universität Budapest, die Suche nach Innovationen von den Fesseln einer kurzsichtigen Abgrenzung zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung zu befreien.