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17.1.2005 | Von:
Khalid Y. Khalafalla

Der Konflikt in Darfur

Gibt es einen Ausweg?

Die Konfliktparteien in Darfur gehören zwar ethnischen Gruppen an, die Interessen sind jedoch nicht ethnischer Natur, d.h., es geht um Zugang zu Land und Wasser. Der jüngste Konflikt wurde jedoch mit einer rassistischen Rhetorik unterlegt. Vor diesem Hintergrund muss festgehalten werden, dass zwischen den nomadischen Arabern von Darfur und den sesshaften arabischen Eliten, die den Staat kontrollieren, Welten liegen. Sie stehen ihren nichtarabischen Nachbarn in vielerlei Hinsicht näher, sogar im Arabisch, das sie sprechen. In Darfur sind ethnische Unterscheidungen veränderbar: Nomaden und Bauern teilen sich dasselbe Territorium, sie gehen Mischehen ein; Fur und andere, die Rinder kaufen, können in Baggara-Familien einheiraten. Mahmud El Zain illustrierte die fließende Konsistenz der Stammesidentitäten in seiner Diskussion der britischen Kolonialpolitik der "tribal amalgamation", der Stammesverschmelzung, am Beispiel des Stammes der Dar Hamid im nördlichen Kordofan.[18]

Ebenso argumentiert Abdel Ghaffar Ahmed in seiner Neubetrachtung des Stammesbegriffs: "Statt Bevölkerungsteile als ,Stämme` zu bezeichnen, die sich auf der Basis von Verwandtschaft und Zuordnung zu einem Territorium formieren, wäre es sinnvoller, die Betonung auf die Beziehungen zu legen, welche die Verteilung und Nutzung der Ressourcen in der Region regeln (...). In jeder Region gibt es ein Machtzentrum - ein Lager oder ein Dorf -, dessen Kernbevölkerung ihre Abstammung vielleicht auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführt und Rechte an den Ressourcen in der Umgebung geltend macht. Dieses Zentrum zieht weitere Menschen an, die möglicherweise sowohl sozial als auch physisch eine gewisse Distanz zur Kernbevölkerung aufweisen. Deren Beziehungen zum Machtzentrum entsprechen dann dieser Distanz."[19]

Der Krieg in Darfur scheint ein Krieg zwischen gebildeten politischen Eliten zu sein, in dem diese rücksichtslos große Mengen an wirtschaftlichen Ressourcen anhäufen. Die Bevölkerungsmehrheit wurde hinterhältig manipuliert und mit ethnischen Vorurteilen aufgestachelt, damit sie kämpfen und furchtbare Gräueltaten begehen. Zur Verantwortung einer jeden Regierung gehört es, solche Milizen zu entwaffnen und denjenigen staatlichen Institutionen Macht zu verleihen, die mit der Aufrechterhaltung von Frieden und Ordnung betraut sind (Judikative, Polizei und Armee). Zwei Jahrzehnte Bürgerkrieg sollten gezeigt haben, dass Forderungen nach mehr politischer Repräsentation nur durch Verhandlungen durchgesetzt werden können.

Die internationale Gemeinschaft hat bisher nur Versprechungen gemacht, gefordert sind aber konkrete Taten. Die Entsendung der Friedenstruppen der Afrikanischen Union (AU) nach Darfur ist ein erster Schritt, der unterstützt werden muss. Friedenssicherung ist politisches Neuland für die AU, zudem fehlen ihr die logistischen Kapazitäten. Im letzten Monat versprach die Organisation, ihre Präsenz in Darfur auf 3 320 Soldaten und Polizisten zu erhöhen. Mit der logistischen Hilfe der USA wurden bisher knapp 700 ruandische und nigerianische Soldaten stationiert. Bei einer Region von der Größe Frankreichs stehen den AU-Truppen nur wenige Fahrzeuge für den Überland-Transport zur Verfügung, und die einzige brauchbare Computerausrüstung, die sie für die Kommunikation erhielten, kam mit Software und Anleitungen in deutscher Sprache, die kein Afrikaner dort versteht.


Fußnoten

18.
Vgl. Mahmud El Zain, Tribe and Religion in the Sudan, in: Review of African Political Economy, (1996) 70, S. 523 - 529.
19.
Abed Ghaffar/M. Ahmed, 'Tribal' Elite: A base for social stratification in the Sudan, in: dies. (Hrsg.), Anthropology in the Sudan: Reflections by a Sudanese Anthropologist, Utrecht 2003, S. 65 - 79.