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8.12.2006 | Von:
Juliana Ströbele-Gregor

Indigene Emanzipations-
Bewegungen in Lateinamerika

Wer sind die "Indios" oder "Indígena"?

Die Bezeichnungen Indio und Indígena (deutsch: Indianer) entstammen der kolonialen Herrschaftsideologie. Sie sind keine präzise Kennzeichnung für bestimmte Kulturen, sondern charakterisieren vielmehr ein politisches und soziales Konstrukt seitens der europäischen Eroberer, mit dem diese die unterworfenen Völker auf dem Subkontinent rechtlich und ideologisch zu einer Gruppe zusammenfassten und in die strenge Gesellschaftshierarchie einordneten, der eine Aufspaltung zwischen den europäischen Kolonialherrn bzw. ihre Nachfahren einerseits und den Eroberten andererseits zugrunde lag. Der indigenen Landbevölkerung wurde der niedrigste Status zugewiesen.

In den nach der Unabhängigkeit von Spanien bzw. Portugal gegründeten Republiken änderte sich wenig am niedrigen Status der Indios - insbesondere der Landbevölkerung -, auch dort nicht, wo sie im Laufe des 20. Jahrhunderts formal Bürgerrechte erlangten. In der Praxis blieben sie Bürger dritter Klasse. In den meisten Ländern unterlag die Indio-Bevölkerung einem gesonderten rechtlichen Status, der sie auf allen gesellschaftlichen Ebenen benachteiligte. So waren noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein in zahlreichen Staaten Analphabeten - und damit ein Großteil der indigenen Landbevölkerung - vom Wahlrecht ausgeschlossen. Auf dem Land gab es kaum Schulen, vielfach unterdrückten Grundherren und Kirche gewaltsam Initiativen der Indios. Zur Legitimierung der Benachteiligung, sozialen Ausgrenzung und Ausbeutung wurde den Indios mit rassistischen Argumenten eine biologische und soziale Minderwertigkeit zugeschrieben. Der Rassismus ist auch in der Gegenwart in den sich "weiß" dünkenden Gesellschaftsschichten nicht vollständig überwunden.