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4.8.2006 | Von:
Sarah Tietze

Die Aids-Pandemie in Sub-Sahara-Afrika

Schwache Staaten

Staatsversagen, das in extremen Fällen zum völligen Zerfall der staatlichen Strukturen führen kann, ist eines der größten politischen Probleme in Sub-Sahara-Afrika und einer der Hauptgründe für die negative Entwicklungsbilanz vieler Länder. Extrembeispiele sind Somalia und die demokratische Republik Kongo. Die hohen AIDS-Infektionsraten in den Polizeikräften vieler afrikanischer Staaten lassen befürchten, dass die staatliche Ordnungsmacht und das Gewaltmonopol in manchen Ländern (noch) mehr ins Wanken geraten könnten.[30]

Das Phänomen des Staatszerfalls beschleunigt aber auch in seinen milderen Formen die Ausbreitung von AIDS, da die mangelnde Funktionsfähigkeit staatlicher Institutionen ein effizientes Vorgehen gegen die Seuche erschwert. Gleichzeitig verstärken die ökonomischen und sozialen Folgen von AIDS die Tendenz zum Staatsversagen, da die Seuche auch Angehörige der kleinen Eliten wie Lehrer, Beamte und Angestellte im Gesundheitssektor trifft. Diese gesellschaftlichen Gruppen werden für eine erfolgreiche Entwicklungspolitik gebraucht und stellen den Großteil des Mittelstandes und der dünnen Basis an Steuerzahlern in den afrikanischen Staaten. In Sub-Sahara-Afrika verursacht AIDS mittlerweile zwischen 19 und 53 Prozent aller Todesfälle bei Angestellten im Gesundheitssektor.[31] In Kenia, Swasiland, Uganda, Sambia und Simbabwe wird die Seuche in den nächsten Jahren zu einem akuten Mangel an Grundschullehrern führen.[32] Im gesamten südlichen Afrika beklagen Ministerien, dass über die Hälfte ihrer Stellen unbesetzt bleiben, da qualifizierte Bewerber fehlen.[33] Gerade medizinisches Personal, Lehrer und andere Fachleute haben eine Schlüsselfunktion bei der Bekämpfung von AIDS. Die Dezimierung dieser Bevölkerungsschichten behindert zunehmend den Kampf gegen die Seuche.

Fußnoten

30.
Vgl. ebd., S. 15.
31.
Vgl. UNAIDS (Anm. 2), S. 54.
32.
Vgl. ebd., S. 52.
33.
Vgl. ebd., S. 55.