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15.5.2006 | Von:
Stephan Beetz

Ländliche Politik im demographischen Wandel

Der ländliche Raum weist mehrere strukturelle Merkmale auf, die den Umgang mit dem demographischen Wandel erschweren. Politischer Rückzug aus besonders gefährdeten, peripheren ländlichen Räumen ist jedoch ein Fehler.

Einleitung

Der demographische Wandel stellt die Kommunen vor die Herausforderung, in sehr kurzer Zeit Lösungen zu finden, gleichzeitig aber langfristige Perspektiven einnehmen und komplexe Verhältnisse eines sehr viel weitreichenderen gesellschaftlichen Umbruchs berücksichtigen zu müssen.

Gemeindepolitik hat als Grundform der lokalen Selbstorganisation eine Doppelfunktion: die Sicherung der Grundversorgung und die lokale Selbstverwaltung. Die bereits seit 40 Jahren diskutiertenFolgen sinkender Kinderzahlen und steigender Lebenserwartung wurden bislang durch starke Außen- und (in vielen westdeutschen Gemeinden) Binnenzuwanderungen überdeckt. Die enorme Dramatik dieser Entwicklung offenbart sich jedoch in den ostdeutschen Gemeinden, die in der Mehrzahl von zurückgehenden Geburtenzahlen und Abwanderungsverlusten betroffen sind.

In der öffentlichen Diskussion gelten ländliche Räume als durch den demographischen Wandel besonders gefährdet. Infolge der geringen und geringer werdenden Bevölkerungsdichte wird die Aufrechterhaltung einer reibungslos funktionierenden Infrastruktur immer schwieriger; neue Handlungsansätze sind gefragt. Grundsätzlich lassen sich drei Herausforderungen unterscheiden: Erstens besteht die Notwendigkeit, neue Lösungen zur Vorhaltung von kommunalen Infrastrukturleistungen zu entwickeln. Zweitens müssen Wege der politischen Steuerung gefunden werden, um Veränderungen nachhaltig anzulegen. Drittens bedürfen die demographischen Entwicklungen des öffentlichen Diskurses, der die Zukunftsfähigkeit des Gemeinwesens und der regionalen Strukturen behandelt.[1]

Fußnoten

1.
Dieser Beitrag entstand aus der Zusammenarbeit mit Claudia Neu.