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29.6.2007 | Von:
Belwe, Katharina

Editorial

Nur noch zehn Prozent aller Schüler in Deutschland besuchen eine Hauptschule. Der Eintritt in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist für Hauptschulabgänger ausgesprochen schwierig.

Nur noch zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen, die in Deutschland eine allgemeinbildende Schule besuchen, lernen heute an einer Hauptschule. Unter den knapp eine Million Schülerinnen und Schülern befinden sich viele Kinder aus sozial benachteiligten Schichten, auch von Migrantinnen und Migranten. Der Eintritt in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist für Hauptschulabgänger ausgesprochen schwierig.

Wer auf der Hauptschule landet, gilt heute nicht selten als "aussortiert". Dieser Schultyp ist - unabhängig von der Qualität der Schule - mit einem Stigma belastet. Dementsprechend sind Eltern bestrebt, ihre Kinder möglichst nicht auf Hauptschulen zu schicken, wodurch sich diese umso mehr zu einem Sammelbecken für "Problemkinder" entwickeln.

Einige Bundesländer haben die Hauptschulen bereits abgeschafft, in anderen wird über deren Zusammenlegung mit Realschulen, auch über den Wechsel zum zweigliedrigen Schulsystem nachgedacht: Hauptschulen würden dann in Integrierten oder Gemeinschaftsschulen aufgehen. Das Bundesland Sachsen, das bei den PISA-Tests stets sehr gut dastand, hatte die Hauptschule gar nicht erst eingeführt. Es gibt allerdings auch positive Beispiele: Die Kooperative Produktionsschule Altona (PSA), an der Kinder und Jugendliche nachträglich zum Hauptschulabschluss geführt werden, ist kürzlich für ihre Erfolge ausgezeichnet worden. Ein anderes Beispiel sind Musikhauptschulen, in denen nachmittags Instrumentalunterricht angeboten wird. Es lohnt sich offenbar, über neue Konzepte nachzudenken oder diese - wie im Falle der erfolgreichen, bisher einzigen PS oder der Musikhauptschulen in Bayern - von anderen Ländern (Dänemark und Österreich) zu übernehmen.