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29.6.2007 | Von:
Birgit Reißig
Nora Gaupp

Hauptschüler: Schwierige Übergänge von der Schule in den Beruf

Hauptschulabgängern gelingt der Übergang in eine Berufsausbildung häufig nur über Umwege. Für viele besteht die Gefahr des Ausschlusses vom Arbeitsmarkt und von gesellschaftlicher Teilhabe.

Einleitung

Die Hauptschule soll Jugendliche auf das Arbeitsleben vorbereiten. Der Weg dorthin führt traditionell über eine betriebliche Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Sich ohne weitere Qualifizierungsschritte auf dem Arbeitsmarkt zu platzieren, scheint demgegenüber problematisch, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des zunehmend geringer werdenden Anteils entsprechender Arbeitsplätze.










Auf dem Ausbildungsstellenmarkt ist seit Jahren ein Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage zu ungunsten der Nachfragenden zu beobachten.[1] Vor allem junge Hauptschulabsolventinnen und -absolventen unterliegen dabei einem Verdrängungswettbewerb, bei dem sie in Konkurrenz zu Jugendlichen mit mittleren und höheren Bildungsabschlüssen stehen. So verbleibt ein anhaltend hoher Anteil junger Erwachsener ohne eine anerkannte Berufsausbildung (bis zum 25. Lebensjahr zwischen 14 % und 15 %).[2] Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass sich die Chancen auf eine erfolgreiche Platzierung auf dem Arbeitsmarkt mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in einem anerkannten Beruf deutlich erhöhen. Zugleich bildet ein vorhandener und qualitativ guter Schulabschluss eine wichtige Voraussetzung dafür, in den Ausbildungsmarkt einzutreten.[3]

Die Auswirkungen für die Jugendlichen, die langfristig ohne Ausbildung und Erwerbsarbeit bleiben, können weit reichend sein. Denn nach wie vor bildet die erfolgreiche Platzierung auf dem Arbeitsmarkt die Grundvoraussetzung für eine gelingende gesellschaftliche Integration. Das Risiko der Ausgrenzung von Bildung, Ausbildung, Erwerbsarbeit sowie von gesellschaftlicher Partizipation erhöht sich für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Ausbildung und Erwerbsarbeit erheblich.[4] Wie reagieren junge Hauptschülerinnen und Hauptschüler[5] angesichts dieser Aussichten auf dem Arbeitsmarkt? Was sind ihre Ziele? Wie gestalten sich ihre Wege aus der Schule in Ausbildung und Arbeit?

Um Antwort auf diese Fragen geben zu können, führt das Deutsche Jugendinstitut seit dem Frühjahr 2004 das Übergangspanel durch. In dieser bundesweiten Längsschnittuntersuchung werden die Bildungs- und Ausbildungswege von Hauptschülern ausgehend vom letzten Pflichtschuljahr bis ins sechste Übergangsjahr erhoben. An der ersten Befragungswelle im März 2004 nahmen rund 4 000 Schüler aus 126 Schulen teil. An der zuletzt durchgeführten Erhebung im November 2006 beteiligten sich insgesamt 1 700 Jugendliche. Weitere Erhebungen werden in den Jahren 2007, 2008 und 2009 folgen. Von den in der Basiserhebung Befragten waren 43 % weiblich und 57 % männlich. Auffallend ist der hohe Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund,[6] der bei 53 % liegt.

Fußnoten

1.
Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (Hrsg.), Berufsbildungsbericht, Bonn 2006.
2.
Vgl. ebd.
3.
Vgl. u.a. Heike Solga, Ohne Abschluss in die Bildungsgesellschaft, Opladen 2005.
4.
Vgl. u.a. Heike Solga, Ausgrenzungsgefahren trotz Integration - die Übergangsbiographien von Jugendlichen ohne Schulabschluss, in: Steffen Hillmert/Karl-Ulrich Mayer (Hrsg.), Geboren 1964 und 1971. Neuere Untersuchungen zu Ausbildungs- und Berufschancen in Westdeutschland, Wiesbaden 2004.
5.
Wenn im Folgenden nur noch von Hauptschülern oder Schülern gesprochen wird, sind stets Hauptschülerinnen und Hauptschüler oder Schülerinnen und Schüler gemeint.
6.
Jugendliche mit Migrationshintergrund sind entweder selbst nicht in Deutschland geboren, stammen aus Familien, in denen ein oder beide Elternteile nicht in Deutschland geboren sind, haben (auch) eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft und/oder sprechen zu Hause (auch) eine andere Sprache als Deutsch.