Blick auf die Stadt Spremberg mit Kreuzkirche und Kraftwerk, Niederlausitz, Brandenburg.

31.1.2020 | Von:
Anne Seibring

Editorial

Die Lausitz (niedersorbisch Łužyca, obersorbisch Łužica) erstreckt sich über zwei Bundesländer (Brandenburg, Sachsen), zwei beziehungsweise drei Staaten (Deutschland, Polen, je nach Definition auch Tschechien) und in Polen über zwei Woiwodschaften (Niederschlesien, Lebus). Es gibt eine Nieder- und eine Oberlausitz. Mit etwa 100.000 Einwohnern ist Cottbus/Chóśebuz die größte Stadt der Niederlausitz und ein Zentrum sorbischer Sprache und Kultur; in der Oberlausitz ist es mit etwa 57.000 Einwohnerinnen Görlitz/Zgorzelec, deren früherer Ostteil heute eine eigenständige Stadt in Polen bildet. Mit der Lausitz verbindet man im Rest der Republik höchstwahrscheinlich noch: viel Natur, wenig Menschen, dafür Wölfe und natürlich Braunkohle, spätestens seit vergangenem Jahr, als die "Kohlekommission" tagte, sowie ein handfestes Rechtsextremismus-Problem.

Wie es sich anfühlt, in der "neuen deutschen Sorgenregion" zu leben, hat der Schriftsteller Lukas Rietzschel ("Mit der Faust in die Welt schlagen") für die "Zeit" aufgeschrieben. Mit Blick auf die vorgesehenen Strukturhilfen berichtet er: "Ich kenne LausitzerInnen, für die das nicht die ersten Versprechen und Umstrukturierungspläne sind. Die haben seit der Wende oft genug von Förderprogrammen gehört und lächeln jetzt müde darüber." Auch fragt er sich, ob die geplante Ansiedlung von Bundesbehörden oder Forschungseinrichtungen trägt: "Als würden alle ehemaligen ArbeiterInnen und prekär beschäftigten DienstleisterInnen auf einmal BeamtInnen oder WissenschaftlerInnen."

Verabschiedet man sich von der Vorstellung, dass der (erneute oder fortdauernde) Strukturwandel eine reine Erfolgsgeschichte ohne Verlierer sein wird, und lernt man aus den Fehlern, die in der Transformationsphase nach 1990 gemacht worden sind, ist die Gelegenheit da, dass mit dem Braunkohleabbau 2038, gegebenenfalls früher, auch der Status als "Sorgenregion" endet. Dazu wäre es hilfreich, die Lausitzerinnen selbst als Akteure ernst zu nehmen, Raum für neue Ideen zu schaffen und vorhandenes Engagement zu unterstützen. Das industriekulturelle Erbe gilt es dabei ebenso zu pflegen wie die reiche Geschichte und Kultur jenseits der Braunkohle in dieser Grenzregion im Herzen Europas.

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