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31.1.2007 | Von:
Andreas Hasenclever
Alexander De Juan

Religionen in Konflikten - eine Herausforderung für die Friedenspolitik

Schlussbemerkungen

Kriege werden in aller Regel aus politischen oder ökonomischen Gründen geführt. Gleichwohl können Religionen einen nachhaltigen Einfluss auf den Konfliktverlauf nehmen. Sie können dazu beitragen, dass manche Konflikte eskalieren, die ohne Beimischung religiöser Symbolik nicht eskaliert wären, und sie können verhindern, dass manche Konflikte eskalieren, die ohne Engagement von Glaubensgemeinschaften sicherlich eskaliert wären.

Eine Betrachtung religiöser Friedensbewegungen deutet darauf hin, dass sich instrumentalisierungsresistente Glaubensgemeinschaften insbesondere durch vier Merkmale auszeichnen: Respekt vor der Komplexität ihrer Überlieferungen, strukturelle Toleranz in Form von institutionalisierten moderaten Diskursen, ein hohes Autonomiepotenzial gegenüber Staat und Gesellschaft sowie eine diversifizierte innerreligiöse Öffentlichkeit. Zweifellos existieren weitere Faktoren, welche von der zukünftigen Forschung zu identifizieren sind. Zudem sind die Wechselwirkungen zwischen den genannten Merkmalen bislang unzureichend erforscht. Schließlich ist unstrittig, dass jedes dieser Merkmale für sich genommen auch kontraproduktiv wirken kann und es auf die stimmige und selbstverstärkende Komposition von religiöser Aufklärung, struktureller Toleranz, institutioneller Autonomie und innerreligiöser Öffentlichkeit ankommt.

Erweisen sich die genannten Eigenschaften dennoch als Leitvariablen, ergeben sich hieraus unmittelbare friedenspolitische Handlungsempfehlungen. Es ginge dann darum, eine Religionsaußenpolitik ins Werk zu setzen, die darauf abzielt, religiöse Bildung zu stärken, die institutionelle Festigung moderater Interpretationen voranzutreiben, religiöse Autonomie zu fördern sowie die interne Koalitionsbildung und transnationale Vernetzung von Glaubensgemeinschaften zu unterstützen. Zwar würde dies erfordern, dass der weltanschaulich neutrale Staat über seinen "säkularen Schatten" springt, doch verdeutlichen die derzeit im Irak beobachtbaren Entwicklungen die Notwendigkeit, die Instrumentalisierungsprophylaxe als Herausforderung der Friedenspolitik ernst zu nehmen.




Richtigstellung

In APuZ 1-2/2007 schreibt Matthias Biskupek auf S.18, die Argumentation des Journalisten Hans-Joachim Föller gegen Landolf Scherzers Buch "Der Grenz-Gänger" gipfele in dem Vorwurf, Scherzer habe ein "verzerrtes Weltbild". Das Zitat ist falsch. Diesen Begriff hat Föller in seinen Besprechungen des Buches nicht verwendet. Auf Seite 17 findet sich das korrekte Zitat aus Föllers Rezension im "Tagesspiegel": "Scherzer (...) arbeitet mit verfälschten, irreführenden und erfundenen Zitaten und konstruiert ein Zerrbild von den wirklichen Verhältnissen." Die Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Hildigund Neubert, legt Wert auf die Feststellung, dass sie im Rahmen einer Ausstellung im Thüringer Landtag, aus der eine Werner-Tübke-Graphik entfernt worden ist, kein "verbindliches Weltbild" gefordert habe, wie von Biskupek behauptet wird. Eine solche Forderung habe sie auch anderen Orts nicht erhoben.


Die Redaktion