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7.7.2008 | Von:
Dr. Sven Güldenpfennig

Olympische Spiele und Politik

Fünf Ebenen, auf denen Olympische Spiele politisch werden

Es wurde gezeigt, dass die Olympischen Spiele von Beginn an im Fokus der Politik standen. "Die Politik" ist dabei ein Sammelbegriff für unterschiedlichste Arten von politischer Intervention einschließlich deren unterschiedlicher Legtimität. Die gängigen, vermeintlich gegensätzlichen Redensarten "Sport ist politisch" und "Man soll Sport und Politik nicht miteinander vermischen" verwischen diese Unterschiede bis zur Unkenntlichkeit und sind gleichermaßen irreführend. Die maßgeblich beteiligten Ebenen sind nachfolgend aufgeführt.

Erste Ebene: Olympische Spiele sind im Kern ein Sportereignis. Sportliches Handeln ist im Kern kulturelles und nicht direkt politisches Handeln. Es kann durch politische Interventionen in seinen kulturellen Zielen gefördert oder beeinträchtigt werden.

Zweite Ebene: Das IOC trägt gemeinsam mit den Weltfachverbänden und den verschiedenen NOKs sowie dem Organisationskomitee der jeweiligen Ausrichterstadt insoweit politische Verantwortung für das sinngerechte Gelingen der Olympischen Spiele, als es über das dort geltende Regelwerk entscheidet und mit diplomatischen Mitteln unter Einsatz seiner symbolischen Macht die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen zu gewährleisten versucht.

Dritte Ebene: Maßgeblicher Mitakteur der jeweiligen Ausrichterstadt von Olympischen Spielen ist der Staat, dem sie zugehört. Diese Staaten verbinden mit dem Ausrichtungsrecht eigene, ihrer Staatsräson folgende politische Ziele, die mehr oder weniger verträglich sein können mit den Zielen der ersten beiden Ebenen.

Vierte Ebene: Die Olympischen Spiele als eines der größten globalen Kulturereignisse haben von Beginn an die Aufmerksamkeit unterschiedlichster politischer Akteure auf sich gezogen und deren Interesse geweckt, die Spiele in den Dienst eigener außerolympischer politischer Ziele zu stellen. Diese waren selten problemlos mit den olympiaeigenen Zielen vereinbar. Sie haben oft durch den rücksichtslosen Einsatz ihrer Machtmittel die olympische Bewegung in existentielle Krisen gestürzt.

Fünfte Ebene: Sportliches Handeln als kultureller Kern des olympischen Geschehens wird in der Wissenschaft bisweilen als Modell politisch-strategischen Handelns interpretiert. Beispiel für eine beliebte, aber abwegige Methode: Man nimmt einzelne Strukturelemente, die den olympischen Sport mit anderen Sinnfeldern verbinden, und erklärt ihn damit zum idealtypischen Modell für wirtschaftlichen Wettbewerb, moralpädagogische Persönlichkeitsbildung, politische und militärische Strategien, in letzter Abstraktion zur "Mimesis der Gesellschaft". Dabei wird übersehen, dass das Unterscheidende wichtiger ist als die Gemeinsamkeiten. Diese Analogisierungsmethode führt zu dem beliebten Muster "Alles hängt mit allem zusammen", mit dem aber keine gehaltvollen Sinnunterscheidungen zu treffen sind.