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12.6.2008 | Von:
Farshid Delshad

Religiöse Minderheiten im Iran

Im schiitischen Iran leben viele ethnische und religiöse Minderheiten. Eine Doppelmoral aus vorgeblicher Gleichheit und Restriktionen kennzeichnet das Verhältnis der weltlichen und religiösen Führer zu ihnen.

Einleitung

"Wo auf der Erde, denken Sie, finden Sie irgendwelche religiösen Minderheiten, die so mild und mit so großer Aufgeschlossenheit behandelt werden wie hier im Iran?"Ali Akbar Velayati, ehemaliger iranischer Außenminister






Der Iran ist ein aus einer Revolution hervorgegangener islamischer, theokratischer Staat.[1] Grundlegend für die Minderheitenpolitik ist das staatliche Gebilde aus Verwaltung, Legislative und Exekutive. Vor dem Kontakt mit dem Islam bestand Persien aus einem Gemisch vieler Nationen unter königlicher Führung. Diese Vielfalt hat sich bis heute erhalten. Sprachlich zu unterscheiden sind neben dem modernen Persisch als Landessprache Armenisch, Assyrisch, Arabisch, Türkisch, Kurdisch und eine Reihe von iranischen Dialekten. Kaum die Hälfte der iranischen Bevölkerung ist persophon. Die Vielzahl der lebendigen Sprachen verweist auf eine starke religiöse und ethnische Heterogenität. Es finden sich neben Muslimen kleinere Gemeinden von Juden, Baha'i, Christen (Armeniern, Assyrern und Chaldäern) sowie Zoroastriern. Auch die größte ethnische Gruppe, die der Türken mit ca. 15 Millionen, ist sehr heterogen. Neben den drei größten Volksgemeinschaften - den Persern, den Azaris und den Kurden, existieren kleinere wie die der Baluchi, der Qashqai, der Bakhtiari, der Turkmenen, der Araber, der Shahsevan und der Luren.

Bestrebungen, einen starken zentralistischen Staat zu errichten, lassen sich bis in das 18. und 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Besonders die Regierungszeit Reza Shahs (1925 - 1941) reflektiert diese Absicht. Um die Staatsmacht zu festigen und zu reformieren, setzte er gewaltsam Änderungen in Schulwesen und Verwaltung durch. Hierzu zählen die Einführung des obligatorischen Schulunterrichts in persischer Sprache sowie der Erlass von 1935, nach dem Persien von nun an nur noch als "Iran" zu bezeichnen sei. In herkömmliche ethnische Strukturen wurde eingegriffen, die Kommunikation und der Verkehr zwischen den Provinzen und dem Machtzentrum wurden verbessert, die Gesetzgebung verändert und exekutive Gewalt angewendet. Dadurch konnte der Einfluss der Ulama (religiöse Gelehrte) auf die Gesellschaft eingedämmt werden.

Diese Politik wurde unter seinem Sohn Mohammad Reza Shah (1941 - 1979) in abgewandelter Form fortgesetzt. Eine Zäsur erlebte das Land durch die kurzzeitige Machtübernahme des Premierministers Mohammad Mossadeq, der die Zentralmacht schwächte, aber die Ölindustrie nationalisierte. Nach Mossadeqs Abdankung kehrte der Schah zu seiner Ideologie der Staatsmacht als zentralem Angelpunkt zurück. Das Augenmerk auf Erneuerung gerichtet, nutzte die Regierung den durch die Öleinnahmen wachsenden Reichtum für eine kontrollierte und gezielte Minderheitenpolitik, die auch die Diskreditierung religiös und intellektuell Andersdenkender einschloss. Bildungspolitisch wurde auf die Durchsetzung des Persischen als alleinige Unterrichts- und Publikationssprache hingearbeitet; die Benutzung anderer Sprachen in den genannten Bereichen wurde untersagt. Das Schah-Regime errichtete ein System von Anreiz und Druck als Basis politischer Repression.

Fußnoten

1.
Aus Platzgründen wurde auf eine Bibliographie verzichtet. Vgl. für die verwendete und weitere Literatur Anm.2 und mein Diskussionsforum für Orientalistik: www.orientalistics.com.