30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
APUZ Dossier Bild

28.2.2008 | Von:
Michael Meyen

Auslandsmedien im 21. Jahrhundert

Das Potenzial von Auslandsmedien

Aus den deutsch-deutschen Erfahrungen lässt sich nicht nur ableiten, warum Staaten von der Wirtschaftskraft und den weltpolitischen Ambitionen Deutschlands auch im Zeitalter von Internet und Satellitenfernsehen Medienangebote für das Ausland produzieren, sondern auch, wo und wie sie dies tun werden. Obwohl das Publikum von Auslandsmedien immer begrenzt bleiben wird, obwohl die Zweifel an der Glaubwürdigkeit nicht auszuräumen sind und obwohl sich Einstellungen und Überzeugungen nur schwer ändern lassen, sind solche Angebote überall dort unverzichtbar, wo es keine Medienfreiheit gibt - Angebote in der Sprache, welche die Menschen verstehen, und zu den Themen, die sie bewegen. Das Beispiel DDR zeigt, dass Störversuche Grenzen haben und dass Auslandsmedien auch den Menschen nutzen, die solche Angebote gar nicht wahrnehmen - weil die einheimische Medienpolitik reagiert und weil es eine zweite Perspektive gibt, die im Alltag vielleicht nicht benötigt wird, wohl aber in Krisensituationen. Das Internet ist kein Gegenargument, weil längst nicht jeder Zugang hat (Stichwort "digitale Spaltung"), das Satellitenfernsehen nicht, weil es vor Sprachhürden steht und im Zweifel Geld verdienen muss. Kai Hafez hat darauf hingewiesen, dass es nach wie vor möglich sei, ganze Völker "buchstäblich voneinander abzuschotten und für Kriege zu mobilisieren".[22]

Auslandsmedien können diese Möglichkeit einschränken - wenn sie über das berichten, was im Empfangsgebiet und in der Welt passiert und ein Forum für den Dialog bieten, wie zum Beispiel das Call-in-Programm "Iraq Today", bei dem Einheimische auf Kosten der DW im Radio erzählen können, was sie bewegt.[23] Solche Angebote werben vermutlich besser "für unsere Werte" als jede Sendung über die Errungenschaften daheim. Die deutsche Teilungsgeschichte lehrt, dass allein die Existenz von Rundfunkanstalten wie der Deutschen Welle ein Signal nach innen und nach außen ist - für den Anspruch, in der Welt präsent sein zu wollen, und für die Überzeugung, selbst den richtigen Weg zu kennen. Dieses Signal darf offenbar auch etwas kosten.

Fußnoten

22.
K. Hafez (Anm. 3), S. 223.
23.
Vgl. Christian Gramsch, Have International Broadcasters a Mission in Conflicts, in: Shira Loewenberg/Bent N?rby Bonde (eds.), Media in Conflict Prevention and Peacebuilding Strategies, Bonn 2007, S. 178 - 181.