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28.2.2008 | Von:
Andreas Elter

Auswärtige Kulturpolitik und Propaganda in den USA

Kulturpolitik und Propaganda im Zweiten Weltkrieg

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs passte die Regierung die Arbeit der verschiedenen Abteilungen der Kultur- und Informationspolitik den veränderten strategischen Bedingungen an. Dabei wurden erneut explizit propagandistische Aktivitäten betont. 1940 setzte Roosevelt das nach seinem Vorsitzenden Harold Ickes benannte Ickes Committee on National Moral ein. Dieses Komitee diente zur Vorbereitung einer nationalen Propagandabehörde, was zu diesem Zeitpunkt der Öffentlichkeit aber noch verheimlicht wurde. Im Folgenden kristallisierten sich dort zwei Positionen heraus: Während Ickes ein defensiv orientiertes Propagandakonzept für die Heimatfront befürwortete, forderte der spätere Hochkommissar in Deutschland John McCloy den Einsatz meinungsverändernder Techniken im In- und Ausland. McCloy verband Auslandswerbung und Propaganda zugleich mit einem möglichen neuen Kriegseinsatz der USA.

Im Juni 1942 wurde das Office of War Information (OWI) als bundesstaatliche Behörde per Erlass des Präsidenten gegründet. Sein Leiter Elmer Davis war, wie Creel im Ersten Weltkrieg, ein ehemaliger Journalist. Davis' Meinung nach gab es zu viele verschiedene Administrationseinrichtungen, welche die offizielle Sicht Washingtons über den Krieg an die Bevölkerung und das Ausland weitergaben. Dieses Defizit sollte durch eine zentralistische Ausrichtung des OWI ausgeglichen werden. Probleme gab es aus Davis' Sicht vor allem im Bereich der Auslandsarbeit. Hier überschnitten sich die Kompetenzen des OWI mit denen anderer Regierungsstellen, was zu Konflikten führen musste. Das Außenministerium und vor allem der neue Kriegsgeheimdienst Office of Strategic Services (OSS, Vorgänger des CIA) legten dem OWI Steine in den Weg. Es bestanden grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten darüber, welche Art der Propaganda angewandt werden sollte.[18]

Die nach außen hin sichtbaren Außenbüros des OWI in den Gastländern in Übersee nannten sich United States Information Service (USIS). Ihre Aufgabe bestand darin, "die feindliche Moral zu unterminieren und zu zerstören, in jedem besetzen Land die Hoffnung auf Befreiung aufrecht zu erhalten, den Widerstand zu stimulieren, in neutralen Ländern moralische Unterstützung zu gewinnen und die Bevölkerung vom Sieg der Alliierten zu überzeugen und in den verbündeten Ländern, die gegnerische Propaganda zu entlarven und zu neutralisieren sowie ein besseres Verständnis für die USA zu befördern".[19] In die Zeit des Zweiten Weltkriegs fällt auch die Gründung der amerikanischen Auslandssender. Im Februar 1942 wurde die Voice of America (VOA) ins Leben gerufen. Heute sendet die VOA in 44 Sprachen auf der ganzen Welt (Stand 2007).

Nach Ende des Krieges setzte eine Debatte darüber ein, wie effizient die Arbeit des OWI im Ausland tatsächlich gewesen sei. Sie endete ohne eindeutiges Ergebnis.[20] Das OWI wurde Ende August 1945 abgeschafft, allerdings, anders als nach dem Ersten Weltkrieg, nicht ersatzlos. Denn Präsident Truman beauftragte eine Kommission damit, auszuloten, wie und in welchem Umfang Informations- und Kulturprogramme in Übersee fortzusetzen seien. Zusammenfassend kann für den Zweiten Weltkrieg konstatiert werden, dass unabhängig von der Effizienzdebatte Propagandatechniken als legitimes Mittel zur Selbstdarstellung der USA akzeptiert worden waren.

Fußnoten

18.
Für eine Definition des Begriffes Propaganda und die Unterteilung in weiße, graue und schwarze Propaganda vgl. Kenneth A. Osgood, Propaganda, in: Alexander DeConde et. al. (eds.), Encyclopedia of American Foreign Policy, vol. 3., New York 2002, S. 239 - 254.
19.
Charles A. Thomson, Overseas Information Service of the US Government, New York 1972, S. 40.
20.
Während die US-Propaganda in Deutschland verpufft sei, habe sie in Italien und Frankreich den Widerstand stark mobilisiert, lautete ein Befund.