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6.2.2008 | Von:
Wolfgang Filc

Stabilität des internationalen Finanzsystems

Was tun?

Effiziente und stabile Finanzmärkte sind Bedingung für einen hohen Beschäftigungsgrad, für Wirtschaftswachstum bei Preisniveaustabilität. Das ist unbestritten. Fehlentwicklungen, gemessen an unter- oder überbewerteten Finanzaktiva, können an informationseffizienten Märkten nicht auftreten. Dann bleibt kein Raum für wirtschaftspolitische Maßnahmen, die auf Finanzmärkte abzielen. Effizienz kann nicht verbessert werden. Ergebnisse neuerer empirischer Forschungen zeigen aber, dass Finanzmärkte allein in Ausnahmefällen informationseffizient sind. Die Häufung von Finanzmarktkrisen der letzten Dekade ist die Folge.

Viele dieser Verwerfungen sind, wie bereits Keynes vermerkt hatte, Früchte von Risiko, Unsicherheit und Ignoranz. Eine größere Stabilität von Finanzmärkten muss darauf abzielen, diese Ursachen auszuschalten oder zu begrenzen. Geschieht das nicht, wird das Feld ignoranten Spielern überlassen, die Risiken nicht zur Kenntnis nehmen, so können gesamtwirtschaftliche Fehlentwicklungen über die Finanzmärkte hinaus die Folge sein. Keynes schrieb hierzu in der General Theory (1936): "Spekulanten mögen als Seifenblasen auf einem steten Strom des Unternehmertums keinen Schaden anrichten. Aber die Lage wird ernst, wenn das Unternehmertum die Seifenblase auf einem Strudel der Spekulation wird. Wenn die Kapitalentwicklung eines Landes das Nebenerzeugnis der Tätigkeiten eines Spielkasinos wird, wird die Arbeit voraussichtlich schlecht getan werden".

Milliarden-Verluste von Finanzinstituten aus fehlgeschlagenen Spekulationen, die Bankkunden und Steuerzahler belasten, möglicherweise gar Rezession und Arbeitslosigkeit zur Folge haben, sind kein unvermeidbarer Betriebsunfall, wenn Ignoranz auf der Leitungsebene gegenüber augenfälligen Risiken ursächlich ist. Das zu vermeiden verlangt einen wirksamen Anreiz: Kein goldener Handschlag bei einem Scheitern, sondern eine kräftige Beteiligung am Verlust.

Manche Fehlentwicklungen an Finanzmärkten, die zur Spekulation anreizen, sind darauf zurückzuführen, dass Vermögenswertänderungsrisiken als Folge wirtschaftspolitischer Entscheidung und der Deregulierungswelle gewachsen sind. Die Begrenzung von Fehlentwicklungen an Finanzmärkten hat deshalb an diesen Ursachen anzusetzen. Nährboden für Unwägbarkeiten und hohe Volatilität von Preisen, Kursen und Renditen an Finanzmärkten sind unvollständige Informationen, asymmetrische Informationsverteilung und Erwartungsunsicherheiten. Folglich sollten Maßnahmen der Wirtschaftspolitik darauf abzielen, die Erwartungen der Marktteilnehmer zu stabilisieren und zu kanalisieren. Gelänge dies, so würden Volatilitäten an Finanzmärkten verringert, die in Finanzmarktpreisen und -renditen enthaltenen Risikoprämien gesenkt und die Dominanz spekulativer Motive von Finanzgeschäften könnte zurückgedrängt werden. Finanzmärkte könnten dann wieder die ihnen zukommende dienende Funktion für Gütermärkte übernehmen, für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Wie hierzu vorzugehen ist, ist vor allem eine Frage, was zweckmäßig und im internationalen Rahmen realisierbar ist. Das ist keine Grundsatzfrage mehr. Ineffiziente Finanzmärkte verlangen regulierende Begleitung durch außermarktmäßige Institutionen, von Zentralbanken und der Bankenaufsicht, durch die Gesetzgebung.