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30.10.2009 | Von:
Sibylle Tönnies

Die "Neuen Kriege" und der alte Hobbes

Furcht als Lehrmeister

Hobbes wollte, dass die Staatsmacht Furcht erregt - statt dass der Mensch weiterhin Angst vor seinesgleichen haben muss. Er machte seinen Zeitgenossen bewusst, wie sehr sie einander fürchten, solange sie nicht von oben beschützt werden. Schon die Tatsache, dass jeder sein Haus abschließe, wenn er es verlässt, zeige, dass er seinem Nächsten nicht über den Weg traut. Hobbes machte bewusst, wie sehr die Menschen auf die kollektive Wachsamkeit angewiesen sind. Im status naturalis sei der Mensch dem Menschen ein Wolf - homo homini lupus. Dieses Wort ist berühmt geworden, genau wie die Feststellung, dass das Leben ohne wirksame Vorkehrungen gegen die Mitmenschen "nasty, brutish and short" sei.

Daran mögen die Theoretiker der "Neuen Kriege" nicht anknüpfen. Implizit tun sie es aber doch - und zwar mit vollem Recht. Sie verwenden den neuen Topos zu dem Zweck, Angst zu verbreiten. Sie nennen die alten Unruhen "Neue Kriege", um ihre Gefährlichkeit zum Ausdruck zu bringen - wie sonst könnte die neue Betrachtung die Auflösung des Völkerrechts begünstigen? Damit befinden sie sich - nolens oder volens - in dem bewährten Fahrwasser von Thomas Hobbes. Sie wollen die Illusionen über den status naturalis, in dem sich die Welt noch befindet, nehmen; sie wollen die Brutalität dieses Zustands zeigen, um die öffentliche Meinung darauf vorzubereiten, dass eine Zentralgewalt die nationalen Souveränitäten in Zukunft zunehmend ignorieren wird.


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