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27.1.2009 | Von:
Hans Rudolf Herren

Die Ernährungskrise - Ursachen und Empfehlungen

Bis 2050 Verdoppelung der Produktion nötig

Noch würde die weltweite Produktion ausreichen, um die 6,7 Milliarden Menschen zu ernähren, die derzeit auf diesem Planeten leben. Das Problem der Hungernden liegt vor allem im fehlenden Zugang zu Nahrungsmitteln, das heißt in der Armut. Doch bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf mehr als 9 Milliarden anwachsen. Damit alle satt werden, muss die Produktion bis dahin ungefähr verdoppelt werden. Eine Steigerung in diesem Ausmaß hat es bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gegeben. 1990 ernteten beispielsweise die schweizerischen Bauern doppelt so viel Getreide und Kartoffeln pro Hektar wie 1950 - und setzten dafür siebenmal mehr Dünger ein. Mit der Grünen Revolution hat man das Modell der Intensivlandwirtschaft mit Hochertragssorten und viel Chemie in die Entwicklungsländer exportiert. Auch dort waren die Ertragssteigerungen eindrücklich. Weltweit verdoppelte sich die Bevölkerung zwischen 1960 und 2000, doch die Nahrungsmittelproduktion wuchs um das Zweieinhalbfache. Wurden 1960 pro Kopf noch 2 360 Kilokalorien Nahrung produziert, waren es 1990 2 803.[10] Doch der Preis war hoch: Die Abhängigkeit von teuren Düngemitteln und Pestiziden trieb viele Kleinbauern in die Schuldenfalle. Viele verkauften ihr Land und zogen auf der Suche nach Arbeit in die Slums der Großstädte. Ausgelaugte Böden, verseuchte Gewässer, resistente Schädlinge, verminderte Arten- und Sortenvielfalt waren die ökologischen Folgen.

Fußnoten

10.
Vgl. International Assessment of Agricultural Knowledge, Science and Technology for Development (IAASTD) - Global Summary for Decision Makers, April 2008, http://www.agassessment.org/docs/Glo bal_SDM_060608_English.pdf, S. 8 (12.12. 2008).