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27.1.2009 | Von:
Hans Rudolf Herren

Die Ernährungskrise - Ursachen und Empfehlungen

Böden sind knapp

Für die Ernährung der Menschheit stehen gegenwärtig etwa fünf Mrd. Hektar Land zur Verfügung: 1,5 Mrd. Hektar Ackerland und Dauerkulturen sowie 3,5 Mrd. Hektar Gras-, Weideland und extensiv genutzte Steppe. Jedes Jahr gehen zehn Mio. Hektar durch Erosion infolge zu intensiver, nicht angepasster Nutzung verloren, weitere zehn Mio. sind derart durch Versalzung geschädigt - größtenteils aufgrund falscher Bewässerung -, dass sie aufgegeben werden müssen. Und auch in den Entwicklungsländern verschlingen die wachsenden Siedlungen immer mehr Agrarland. Insgesamt belaufen sich die jährlichen Verluste auf 1,3 Prozent der Ackerfläche. Nach Angaben der UN-Konvention über Desertifikation sind 80 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Böden mäßig bis erheblich erosionsgeschädigt.[11] In den USA werden jedes Jahr pro Hektar Ackerland zehn Tonnen Erde abgeschwemmt oder vom Wind weggeweht. In China sind es 40 Tonnen. In Afrika hat sich das Tempo der Bodenerosion in den vergangenen 30 Jahren um das Zwanzigfache beschleunigt. Versteppung, Versiegelung und Wüstenbildung werden in gewissen Gebieten vermehrt Land für die Nahrungsmittelproduktion unbrauchbar machen. Maßnahmen sind notwendig, die gewährleisten, dass das gute Land der Landwirtschaft vorbehalten bleibt und nicht auch noch überbaut wird. Dies setzt einen starken politischen Willen voraus.

Aufgrund eigener Erfahrung - ich habe 27 Jahre in Afrika gelebt und geforscht - bin ich überzeugt, dass auf diesem Kontinent noch viel Land mit gutem Potenzial verfügbar ist, sei es in Angola, im Sudan, in Äthiopien oder in anderen Ländern. Mit den heutigen Methoden und Saatgütern könnte man dort auch genug produzieren - wäre überall Frieden und würden die nötigen Investitionen in die Landwirtschaft, die Verarbeitung und Vermarktung der Produkte und in den Ausbau der Infrastruktur getätigt.

Eine weitere knappe Ressource der Nahrungsmittelproduktion ist das Wasser. 1000 Liter braucht es für einen Kilogramm Weizen. Zwischen 1950 und 1990 hat sich die bewässerte Landfläche nahezu verdreifacht. 70 Prozent des globalen Süßwasserverbrauchs gehen heute auf das Konto der Landwirtschaft.[12] In verschiedenen Regionen wie Indien, China, Nordafrika oder im Mittleren Osten ist die Übernutzung der Wasservorkommen zum Problem geworden, die Grundwasserspiegel sinken rapide, teils um mehrere Meter pro Jahr. In einzelnen Gebieten muss man bereits 100 Meter tief bohren, um noch Wasser zu finden. Grundwasservorkommen sind nicht oder nur sehr langsam erneuerbar.

Fußnoten

11.
Vgl. David Pimentel et al., Environmental and Economic Costs of Soil Erosion and Conservation Benefits, in: Science, Vol. 267 No. 5201 (February 1995), S. 1117-1123.
12.
Lester Brown, Tough Choices - Facing the Challenge of Food Scarcity, New York - London 1996, zitiert nach: Der Bund (Bern) vom 1.10. 1996.