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8.11.2010 | Von:
Isabel Sievers
Hartmut M. Griese

Bildungs- und Berufsbiografien erfolgreicher Transmigranten

Konzeptionelle Konsequenzen

Mit der "transnationalen Perspektive" gelangen innovative Aspekte und neue Fragen in die Migrationsforschung: Gibt es eine transnationale Elite, die quasi raum- und regionübergreifend (inter)agiert, hochqualifizierte Transmigranten, die nationalstaatlich nicht zu verorten sind und deren Identität entsprechend transnational und transkulturell hybrid ist? Bildet diese neue Elite eine Art globale entgrenzte "Parallelgesellschaft" und eine neue "Kultur der geographischen Mobilität", oder fördert das Internet Transnationalisierungs- und Globalisierungsprozesse auch in Richtung der Bevölkerung insgesamt, vor allem der aktiven jungen Menschen? Wie können derlei transnationale und kulturübergreifende Migrations- und Mobilitätsprozesse theoretisch-analytisch erfasst und innerhalb der Interaktionen zwischen nationalen Räumen und innerhalb von transnationalen Räumen analysiert werden? Ulrich Beck postuliert in diesem Zusammenhang eine "kosmopolitische Soziologie", einen "kosmopolitischen Blick", der "die Prämissen und Dualismen einer nationalstaatlichen Soziologie - wie national und international, Wir und die Anderen - (...) reflektiert und auf diese Weise einen neuen soziologischen Blick (...) [beispielsweise auf Prozesse der Migration, Anm.d.V.] gewinnt".[16] Diese neue Perspektive wirft einen Blick nach außen auf globale, internationale oder transkulturelle Prozesse und Organisationen, nach innen allein auf das (einzigartige) Individuum. "Wenn es richtig ist, dass sich in der Zweiten Moderne die Grenzen verwischen und vermischen, dann ist der Typus des 'hochqualifizierten Transmigranten' die Verkörperung der sich vermischenden Grenzen zwischen Nationen und Staaten" und kann zu einer "Avantgarde einer transnationalen Mobilität" werden, die eine "kosmopolitische Existenzform" erprobt.[17]

Fußnoten

16.
Ulrich Beck, Risikogesellschaft und die Transnationalisierung sozialer Ungleichheiten, in: P. Berger/ A. Weiß (Anm. 15), S. 19.
17.
Ebd., S. 32, modifiziert.