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22.9.2010 | Von:
Heinrich Kreft

Chinas Aufstieg - eine Herausforderung für den "Westen"

Chinas Aufstieg verändert die Welt

Der Aufstieg Chinas hat nicht nur ökonomische und ökologische Folgen, sondern auch politische, geopolitische und sicherheitsrelevante. Europa und die USA sehen sich immer mehr gezwungen, ihre Position in einer immer weniger euro-atlantisch geprägten Welt neu definieren zu müssen. Auch die gegenwärtige geopolitische Lage in Asien wird vor allem durch das größere Engagement und den zunehmenden wirtschaftlichen, politisch-diplomatischen, kulturellen und militärstrategischen Einfluss Chinas bestimmt. Durch sein wachsendes wirtschaftliches Gewicht, seine zunehmende soft power (wie kulturelle Anziehungskraft auf die asiatischen Nachbarn), seine Stellung als Nuklearmacht und ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN), sein Engagement in regionalen und multilateralen Organisationen ist ein chinesischer Beitrag zur Lösung vieler regionaler und globaler Fragen inzwischen unerlässlich.

Dennoch sind die USA nach wie vor der sicherheitspolitische Stabilitätsanker Asiens und werden es auf absehbare Zeit bleiben, da dies im Interesse der meisten Staaten Asiens, welche wichtige regionale Verbündete der USA sind, ist.[1] Das Verhältnis zwischen den USA und China und damit zwischen der bisherigen Führungsmacht und dem aufstrebenden Land ist weltweit zur wichtigsten bilateralen Beziehung geworden, was weit reichende Auswirkungen für andere Akteure mit sich bringt. Jedoch werden China und die USA auf lange Sicht sowohl Partner als auch Rivalen bleiben, so dass die Sorgen eines chinesisch-amerikanischen Kondominiums (G-2 beziehungsweise "Chinmerica") auf Kosten Europas oder anderer keine reale Grundlage haben.[2]

Fußnoten

1.
Vgl. Heinrich Kreft, Die USA - Stabilitätsanker für Asien?, in: Petermann Geographische Mitteilungen, 148 (2004) 2, S. 32-37; ders., United States - Indispensable World Power, in: The World Today, (2009) 2, S. 11ff.
2.
Vgl. Elisabeth Economy/Adam Segal, The G-2 Mirage. Why the United States and China Are Not Ready to Upgrade Ties, in: Foreign Affairs, (2009) 5-6, S. 14-23.