APUZ Dossier Bild

4.3.2010 | Von:
Wolfgang Seibel

Die gescheiterte Wirtschaftsreform in der DDR 1989/1990

Fazit

Das Schicksal der DDR-Wirtschaft war mit der Vereinbarung beider deutscher Regierungen über die Umstellungskurse besiegelt. Es erledigten sich damit auch alle wirtschaftlichen Reformvorstellungen, die auf einen "Dritten Weg" auf der Basis reformierter Wirtschaftsstrukturen einer fortexistierenden DDR gesetzt hatten. Niemand konnte sagen, wie die DDR-Betriebe ab dem 1. Juli 1990 mit ihren Produkten auf dem Markt Erlöse erzielen sollten, die zur Bezahlung der Vorprodukte und der Löhne in D-Mark ausreichen würden.[31] Es waren tragischerweise die DDR-Bürger selbst, die mit ihren Demonstrationen gegen eine Währungsumstellung unterhalb der Parität bei den Löhnen eine flüchtige Wohlstandsillusion gegen eine nachhaltige Depression tauschten. Die Bundesregierung saß hier nicht am längeren, sondern am kürzeren Hebel: Sie hatte keine andere Wahl, als den Primat der Politik - die friedliche Wiederherstellung der nationalen Einheit - auf Kosten langfristiger ökonomischer und sozialer Verwerfungen durchzusetzen.

Die Vorstellungen zu einer Wirtschaftsreform wären unter den Bedingungen staatlicher Stabilität der DDR und damit der Fortdauer der deutschen Teilung ernstzunehmende Strategien der schrittweisen Umgestaltung der staatlichen Planwirtschaft zu einer staatlich verantworteten Marktwirtschaft gewesen. Damit ist aber bereits der Grund ihres Scheiterns benannt. Die DDR brach zusammen, weil ihre Bürger ihr die Loyalität entzogen.

Fußnoten

31.
Vgl. Georg A. Akerlof u.a., In From the Cold: The Economic Aftermath of Currency Union. Brookings Papers for Economic Activity, Vol. 1, Washington 1991; Gerlinde Sinn/Hans-Werner Sinn, Kaltstart. Volkswirtschaftliche Aspekte der Wiedervereinigung, München 1993, S. 77 - 86.

Dossier

Deutsche Teilung - Deutsche Einheit

13. August 1961: In den frühen Morgenstunden beginnt der Bau der Mauer, die Deutsche Teilung wird zementiert. Am Abend des 9. November 1989 kommt es zum Mauerfall. Bald 30 Jahre danach ist Deutschland in vielem noch immer ein Land mit zwei Gesellschaften.

Mehr lesen