APUZ Dossier Bild

7.9.2011 | Von:
Prune Antoine

Unter den Rockschößen der Europäischen Kommission

Cecilia Malmström

Cecilia Malmström, 43 Jahre alt, ist EU-Kommissarin für Inneres. Die Schwedin, Mitglied der Liberalen Volkspartei, ist auf gutem Weg, die würdige Nachfolgerin ihrer Landsmännin Margot Wallström zu werden.

"Behandeln mich die Leute wegen meines Geschlechts anders? Ich hoffe aufrichtig, dass das nicht der Fall ist. Ich erwarte, nach den gleichen Maßstäben betrachtet und beurteilt zu werden wie jeder x-beliebige Mann. Sicher versuchen manche Menschen, mir auf dem Kopf herumzutanzen, aber da ich ein Meter dreiundachtzig groß bin, kann sich das als schwierig erweisen.

Ich glaube nicht an angeborene Unterschiede und Verhaltensmerkmale bei Männern und Frauen. Ich habe diese Tätigkeit aufgrund meiner Ideen, meiner Werte und meiner Erfahrung in der Politik erhalten. Aber ich glaube, dass wir Frauen verpflichtet sind, uns gegenseitig zu helfen und die berühmte 'gläserne Decke' zu durchbrechen, an die wir alle - ob EU-Kommissarin oder nicht - irgendwann einmal stoßen. Es ist natürlich nicht gut für die Legitimität der EU, dass lediglich neun Frauen - ein Drittel der Mitglieder - in die Kommission berufen wurden: Frauen stellen die Mehrheit innerhalb der EU dar und müssen entsprechend vertreten werden.

Damit unsere Gesellschaft hier gleichberechtigter wird, brauchen wir mehr weibliche Rollenbilder. Die EU-Institutionen müssen ein Beispiel sein. Wie viele andere Gebilde auch, sind die europäischen Institutionen durch ihre vornehmlich männlich dominierte Geschichte geprägt. Die Atmosphäre, in der ich arbeite, ist aber nicht 'macho', weil sich die Kommission der Gleichstellungsproblematik durchaus bewusst ist und die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern auf allen Ebenen fördert, nicht nur wenn es um die Beschlussfassung geht.

Gleichwohl stellt die Tatsache, dass vier von zehn Europäerinnen keinen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten, ein wirkliches Problem dar. Ich habe dafür gekämpft, dass konkrete Zielwerte in die Strategie 'Europa 2020' aufgenommen wurden, um die Teilhabe von Frauen am Arbeitsleben zu erhöhen. Nicht allein, weil es um Geschlechterfragen geht oder weil damit die Freiheit und Emanzipation der Frauen gefördert würde, sondern auch, weil darin ein enormes wirtschaftliches Potenzial steckt. Wir können es uns nicht erlauben, nur die Hälfte der Talente, Fähigkeiten und Ideen der europäischen Bevölkerung zu nutzen!"