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7.9.2011 | Von:
Prune Antoine

Unter den Rockschößen der Europäischen Kommission

Kristalina Georgieva

Kristalina Georgieva, 58 Jahre alt, Bulgarin, Wirtschaftswissenschaftlerin und frühere Vizepräsidentin der Weltbank, ist EU-Kommissarin für internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenreaktion.

"Bulgarien hat stets weibliche Kandidaten präsentiert, wenn es um Posten bei internationalen Organisationen ging, sei es bei der EU-Kommission oder für andere wichtige Funktionen, wie Irina Bokova, Generaldirektorin der UNESCO.

Es braucht Zeit, alte Denkmuster zu überwinden. Im Jahr 2004 hatte mir die Weltbank den Posten als Direktorin und Vertreterin bei der Russischen Föderation angeboten: Als ich ankam, musste ich feststellen, dass ich eine der wenigen Frauen war, die in Russland ihr Land oder eine Institution vertreten sollten. Bei einem der ersten diplomatischen Empfänge, denen ich beiwohnte, waren unter den mehr als 250 Gästen im Saal nur zwei Frauen, die Kulturattachée der brasilianischen Botschaft und ich. Viele Staaten schrecken davor zurück, Frauen nach Russland zu entsenden, weil das Land in dem Ruf steht, eine schwierige, von Männern gesteuerte Gesellschaft zu sein.

Am Ende helfen Worte wenig, Handeln zählt: Dazu braucht es natürlich eine klare Verpflichtung der Männer und einen gewissen Mut der Frauen.

Ich arbeite noch nicht lange genug in der EU, um eine etwaige Frauenfeindlichkeit beurteilen zu können. Aber ich habe bei zahlreichen Anlässen unterschiedliche, wenngleich subtile, Formen der Diskriminierung erfahren. Es gibt unbestritten ein Problem. Wir blicken auf eine lange historische Tradition zurück, in der die Rolle der Frau in der Gesellschaft auf den Haushalt beziehungsweise die Unterstützung des Mannes beschränkt war. Die EU-Kommission hat immer noch mehr 'Assistenz'-Stellen als Managementposten für Frauen anzubieten. Dabei gibt es viele Belege dafür, dass die Gleichstellung von Männern und Frauen gut für die Wirtschaft ist, es der Gesellschaft insgesamt nutzt und zur ökonomischen und sozialen Entwicklung beiträgt, wenn Frauen Verantwortung übertragen wird."