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7.9.2011 | Von:
Prune Antoine

Unter den Rockschößen der Europäischen Kommission

Connie Hedegaard

Connie Hedegaard, 50 Jahre alt, Dänin und Mitglied der Konservativen Volkspartei. Die einstige dänische Umweltministerin arbeitete zunächst als Journalistin, bevor sie eine politische Karriere einschlug. Im Dezember 2009 leitete sie die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen (Cop 15), heute ist sie EU-Kommissarin für Klimapolitik.

"Du bist, was Du bist. Ich glaube nicht, dass die Tatsache, ein Mann oder eine Frau zu sein, in der Politik irgendeine Rolle spielt. Wir leben im 21. Jahrhundert, in Zusammenhängen, wo beide Geschlechter sich ergänzen und zusammenarbeiten müssen. Neun Frauen bei 27 Mitgliedern, das macht ein Drittel der Kommission, und das ist schon gut. Die Hälfte wäre besser, aber die Politik ist immerhin der Bereich, in dem Frauen am stärksten vertreten sind. Nehmen Sie die Aufsichtsräte der Banken oder die 100 mächtigsten Geschäftsleute in Europa - nicht einmal ein Drittel davon sind Frauen! Man muss sich darüber im Klaren sein: In der Politik wie andernorts gilt, je größer die Vielfalt im Hinblick auf die Geschlechter, den Hintergrund, den beruflichen Werdegang ist, umso besser.

Wenn ich die Schwelle des Europäischen Parlaments überschreite, blicke ich immer auf die Wand mit der Porträtreihe von Politikern, die die EU geprägt haben. Ich muss sagen: Neun Frauen unter 27 Kommissionsmitgliedern - das ist ein Fortschritt gegenüber dem, was bisher üblich war. Wenn Manager immer mehr darauf zu achten haben, dass sie ehrgeizigen und motivierten Frauen eine Chance geben müssen, dann müssen Frauen aber auch darum kämpfen, diese Chance zu bekommen. Es liegt auf der Hand, dass die Männer nicht darauf drängen, ihnen den Platz abzutreten. Das noch aus den 1960er Jahren stammende Bild des 'netten Mädchens', das wohl erzogen ist und sich nicht vom Fleck rührt, hält sich hartnäckig. Zuweilen zeigen sich Frauen zu bescheiden angesichts ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten, während Männer nie zögern, nach einer Beförderung zu verlangen.

Mit 23 Jahren habe ich als Assistentin im Parlament gearbeitet (1984 wurde Connie Hedegaard jüngste Abgeordnete im dänischen Parlament), und ich hatte wegen meiner Geschlechterzugehörigkeit keine Probleme. Es ist immer angenehm, junge Mädchen zu haben, die in der Politik beginnen. Aber je höher man die Karriereleiter in Richtung Schlüsselpositionen hinaufklettert, desto komplizierter wird es: Die Spielregeln ändern sich. Und viele Frauen sagen sich, das Kämpfen lohnt sich letztlich nicht; das ist albern. Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich habe. Mit 29 Jahren bin ich Sprecherin einer Partei geworden, und ich habe gesehen, dass das Spiel anders lief. Also müssen Sie darüber wachen, dass der eigentliche Gehalt Ihres Auftrages, besonders wenn er mit Verantwortung verbunden ist, nicht durch die Tatsache verwässert wird, dass Sie eine Frau sind. Man muss kämpfen. Persönliche Gefühle spielen da keine Rolle - es gibt Dinge, die man verteidigen muss."