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12.4.2011 | Von:
Thomas Schneider
Daniel Küchenmeister

Sport ist Teilhabe! - Essay

Sport hat Zukunft

Das Phänomen Sport hat in seiner Geschichte tiefgreifende Wandlungen und unterschiedliche Deutungen erfahren. Seit der Begründung der Turnbewegung vor 200 Jahren haben sich Praxis und Verständnis von Leibesübungen und Körperkultur stetig weiterentwickelt, mit dem Aufkommen neuer Sportarten rückten andere Bewertungen und Wertigkeiten in den Mittelpunkt. Zu allen Zeiten hatte Sport Zukunft - nur ob der Sport in Zukunft genau so aussieht, wie er sich gegenwärtig darstellt, ist eine offene Frage.

Niemand weiß, ob in 20, 30 Jahren die Bemühungen des DFB, dem Frauenfußball eine breitere Basis zu verschaffen, Erfolg gehabt haben werden - oder ob sich bis dahin nicht sogar gänzlich andere Fußball-Varianten stärker etabliert haben könnten. Denkbar ist auch, dass die heute "großen" Sportarten und ihre Verbände von anderen Sportarten verstärkt Konkurrenz bekommen. Neben dem Vereinssport hat sich ein weitgehend kommerziell orientierter Sportbetrieb etabliert, der mit seinen Fitness-Centern, Sportschulen und dergleichen mehr Millionen Deutsche anzieht. Keineswegs sind diese viel besuchten, privaten Sportstätten nur Ausdruck von Individualismus, Jugendwahn und Kommerz und damit gleich die Totengräber der traditionellen Sportvereine. Aber für viele ist der Sport im Verein mit seinen festgelegten Übungszeiten aufgrund beruflicher Belastungen und wechselnder Arbeitsorte nur schwer möglich. Für andere ist das breite Angebot verlockend, das von Fitness bis Wellness reicht und sich rasch auf die Wünsche der Kunden und die jeweiligen Moden einstellt. Damit stehen die kommerziellen Studios ebenso für eine weitere Differenzierung von Freizeitverhalten, Körperkultur und Sport wie neue (Trend-)Sportarten; sie illustrieren beispielhaft eine von zunehmenden Fliehkräften gekennzeichnete Gesellschaft. Der Sport ist also einer ständigen Wettbewerbssituation innerhalb der Sportarten und den mannigfachen Trends der Körperkultur ausgesetzt und bedarf schon aus diesem Grunde eines immanenten "Entwicklungspotenzials" und der permanenten Selbsterneuerung.

Von entscheidender Wichtigkeit ist jedoch, dass der Sport seine Rolle erweitert definiert und sich neben der Hauptarbeit - dem Sport an sich - zunehmend auch gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufgaben stellt. Seine Zukunft ist dann gesichert, wenn er der sozialen Verantwortung in einer sich wandelnden Gesellschaft gerecht wird. Selbstverständlich kann der Sport nicht einzelne, schon gar nicht alle gesellschaftlich relevanten Probleme lösen, erst recht nicht im Alleingang. Im Gegenteil produziert er manche Probleme erst, oder er macht sie wie in einem Brennglas sichtbar. Wohl aber birgt er ein nicht zu unterschätzendes Potenzial, als Motor gesellschaftlicher Prozesse darauf hinzuwirken, dass Teilhabe für immer größere Teile der Bevölkerung realisiert werden kann - dieses gilt es zu entdecken und zu fördern.


Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

Fußball - mehr als ein Spiel

Innerhalb weniger Jahrzehnte ist der moderne Fußball zu einer bedeutsamen und populären Sportart geworden, die weltweit Millionen von Menschen fasziniert. Die Geschichte des Fußballs, seine Fans, aber auch sein Stellenwert für Politik, Wirtschaft und Medien sind Thema dieses Heftes.

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