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12.4.2011 | Von:
Jörg-Uwe Nieland
Daniela Schaaf

Medienpräsenz von Sportlerinnen - Emanzipation oder Sexualisierung?

Fazit

Unsere Ausführungen zeigen, dass Sportlerinnen zwar mittels der produktpolitischen Sexualisierungsstrategie durchaus eine hohe mediale Aufmerksamkeit erzielen können, dies jedoch nicht als emanzipatorischer Erfolg zu werten ist. Denn Emanzipation bedeutet primär die Befreiung von gesellschaftlicher Abhängigkeit und fremdbestimmten Normen. Da die weiblichen Sportprofis indes bereit sind, sich den männlichen Präferenzen anzupassen, internalisieren sie letztlich die Gechlechterhierarchie. Insbesondere weil sie diese Normen widerstandslos übernehmen und sich so in die hegemonialen Strukturen einordnen, reproduzieren sie das Patriarchat und verhindern langfristig eine Emanzipation - mit negativen Konsequenzen für Nachwuchssportlerinnen und Sportrezipientinnen. Die Geschlechterdifferenz im Sport ist somit noch lange nicht überwunden - "der Sport ist und bleibt eben ein Abbild der Gesellschaft, aus der er entstammt".[33]

Langfristig lässt sich eine Dekonstruktion der traditionellen Geschlechterbilder im Mediensport nur realisieren, wenn sich nicht nur die quantitative und qualitative Präsenz von Sportlerinnen erhöht, sondern Frauen auch in den Führungspositionen der Redaktionen, Sponsoringabteilungen und Sportverbänden angemessen vertreten sind. Denn für eine Emanzipation von Frauen im Sport ist es zwingend erforderlich, sie aktiv an allen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Abschließend stellt sich daher die Frage, inwiefern die aktuell diskutierte Frauenquote für die Vorstände und Aufsichtsräte der DAX-Unternehmen nicht auch für die Institutionen der Sport-Medien-Wirtschafts-Allianz gelten sollte.

Fußnoten

33.
Gabriele Sobiech, Im Abseits? Mädchen und Frauen im Fußball-Sport, in: Holger Brandes/Harals Christa/Ralf Evers (Hrsg.), Hauptsache Fußball. Sozialwissenschaftliche Einwürfe, Göttingen 2006, S. 147-169, hier: S. 166.

Fußball - mehr als ein Spiel
Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

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