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21.2.2011 | Von:
Birgit Svensson

Von Frühling und Herbst der Pressefreiheit im neuen Irak - Essay

Journalismus am Scheideweg

Nach acht Jahren "Übungsphase" in Sachen Demokratie steht der Journalismus im Irak derzeit am Scheideweg. Der für Ende des Jahres geplante Abzug aller amerikanischen Truppen birgt auch für die Journalisten im Land eine neue Herausforderung. Das bereits gesunkene Medieninteresse am Irak in den westlichen Ländern wird weiter abnehmen, ausländische Korrespondenten werden abgezogen oder ihre Anzahl zumindest reduziert. Dadurch wird der geistige Austausch, aber auch die Weitergabe erfragter handwerklicher Tipps erschwert.

Hinzu kommt, dass die verbesserte Sicherheitslage in Bagdad und auch in den umliegenden Provinzen die Menschen nicht mehr ans Haus fesselt, wie in den zurückliegenden Terrorjahren, als Fernsehen und Radio oft die einzigen Fenster zur Außenwelt darstellten. Auch Wahlkämpfe sind großteils über die Medien abgewickelt worden. Veranstaltungen oder Straßendiskussionen waren für die ständig bedrohten Kandidaten undenkbar. Daher wurden Unsummen für Werbespots oder ganzseitige Anzeigen in den Zeitungen ausgegeben. Wer kein Geld hatte, die Medien mit seiner Botschaft zu "füttern", hatte keine Chance, gewählt zu werden.