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21.2.2011 | Von:
Birgit Svensson

Von Frühling und Herbst der Pressefreiheit im neuen Irak - Essay

Mehr Pluralismus durch das Radio

Diese Haltung ändert sich nur langsam, am ehesten im Radio. Das ohnehin schnellste und unkomplizierteste Medium hat eine rasante Verbreitung erfahren. Rund 80 Radiostationen gibt es derzeit allein in Bagdad und den umliegenden Provinzen. Gezählt hat sie niemand so genau. Viele von ihnen sind unabhängig und privat. Der technische und finanzielle Aufwand zum Betreiben eines Rundfunksenders ist gering, der Standort flexibel. Manchmal sind auf einer Frequenz zwei oder gar drei Sender zu hören: morgens, mittags, abends - unterschiedlich.

Beliebt sind neben den Nachrichtensendungen und dem von den Amerikanern ins Leben gerufenen Popmusiksender "Bagdad FM" vor allem Sendungen mit Hörerbeteiligung. Anfangs hatten die Moderatoren oft Schwierigkeiten, sich mit den unterschiedlichen Meinungen auseinanderzusetzen. Mittlerweile begreifen vor allem junge Journalisten den dadurch erzeugten Pluralismus jedoch durchaus als Errungenschaft. Nicht selten hört man gerade in Bagdad von jungen Irakern, dass sie stolz seien, so weit in Richtung Demokratie gekommen zu sein, angesichts der despotischen, diktatorischen Regime ringsherum.