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24.11.2011 | Von:
Wenke Apt

Herausforderungen für die Personalgewinnung der Bundeswehr

Demografische Entwicklung

Die demografische Entwicklung der Bevölkerung bildet für die militärische Nachwuchsgewinnung eine wesentliche Planungsgrundlage. Sie gibt Auskunft darüber, wie viele Personen sich gegenwärtig und zukünftig in einem rekrutierungsrelevanten Alter befinden. Von besonderem Interesse sind daher Veränderungen in der Altersstruktur und die Entwicklung der Jugendbevölkerung. Bei der Fortsetzung der aktuellen demografischen Entwicklung wird die deutsche Bevölkerung von etwa 81,5 Millionen Menschen im Jahr 2010 auf 64,6 Millionen Menschen im Jahr 2060 zurückgehen (minus 21 Prozent) zurückgehen. Die Jugendbevölkerung wird im gleichen Zeitraum um ein Mehrfaches schrumpfen. Beispielhaft ist in Tabelle 1 (s. Tabelle 1 der PDF-Version) die zukünftige demografische Entwicklung der 18- bis 19-jährigen Bevölkerung in Deutschland abgebildet. Ab dem Jahr 2010 sinkt die Größe dieser Bevölkerungsgruppe von 848000 Personen auf 536000 im Jahr 2060 (minus 37 Prozent).

In den einzelnen Regionen Deutschlands wird die demografische Entwicklung sehr unterschiedlich ausfallen. Zwar erwartet West- und Ostdeutschland eine ähnliche demografische Zukunft, allerdings werden die Auswirkungen des demografischen Wandels Ostdeutschland früher und in größerem Ausmaß treffen. Dabei vertieft sich die demografische Spaltung des Landes bereits seit Anfang der 1990er Jahre - durch eine rasch alternde, schrumpfende Bevölkerung in Ostdeutschland und eine zwar ebenfalls alternde, aber weiter wachsende Bevölkerung in Westdeutschland. Die beiden wesentlichen Ursachen für diese Entwicklung sind regionale Fertilitätsunterschiede und Wanderungsbewegungen.

Abbildung 1 (s. Abbildung 1 der PDF-Version) veranschaulicht den relativen Rückgang der Jugendbevölkerung zwischen 2006 und 2060 anhand der rekrutierungsrelevanten Bevölkerungsgruppe der 18-jährigen Männer. Auffällig in der nach Bundesländern differenzierten Darstellung ist der rapide Rückgang in den fünf ostdeutschen Ländern zwischen 2006 und 2012, der auf den so genannten "Wendeknick" zurückzuführen ist. Entsprechend dem Wiederanstieg der Geburtenzahlen ab 1994 wird für den Zeitraum zwischen 2012 und 2018 eine leichte Zunahme der 18-jährigen männlichen Bevölkerung auf 50 bis 60 Prozent des Niveaus von 2006 prognostiziert. In den folgenden Jahren bis etwa 2027 wird sich die Größe dieser Bevölkerungsgruppe stabilisieren. Danach wird der Abwärtstrend wieder an Dynamik gewinnen, und ab 2050 dürfte die Zahl der 18-jährigen Männer in den ostdeutschen Bundesländern bei 35 bis 45 Prozent des Niveaus von 2006 liegen.

In den westdeutschen Bundesländern wird der Rückgang der Jugendbevölkerung gemäßigter verlaufen als in den ostdeutschen. Dabei erwartet man für zwei westdeutsche Länder jedoch eine relativ untypische Entwicklung. Im Saarland wird der Rückgang der Jugendbevölkerung in 15 bis 20 Jahren eine ähnliche Dimension wie in Ostdeutschland erreicht haben. Um das Jahr 2025 wird die Zahl 18-jähriger Männer hier noch etwa 60 Prozent des Bestandes von 2006 aufweisen, und auch danach wird der Abwärtstrend weiter anhalten. Dagegen ist Hamburg das einzige Bundesland, in dem die Bevölkerungsgröße 18-jähriger Männer in etwa 30 Jahren wieder das Niveau von 2006 erreichen wird, bevor sie dann bis zum Ende des Betrachtungszeitraums auf ein Niveau von etwa 75 Prozent des Ausgangsbestandes absinkt. Eine ähnliche Entwicklung - wenn auch auf niedrigerem Niveau - wird für Bremen erwartet. Bei den größeren Flächenländern erscheint die prognostizierte Entwicklung der Jugendbevölkerung in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg vergleichsweise gut.