Anlässlich des 68. Unabhängigkeitstages Indonesiens am 17. August 2013 wird eine riesige Flagge über den Begawan Solo River gespannt.

5.3.2012 | Von:
Doris K. Gamino

Annäherung an ein unbekanntes Land - Essay

Reiches armes Indonesien

Indonesien ist ein reiches Land - eigentlich. Es verfügt über große Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie Bodenschätze wie Gold, Kupfer, Zinn, Nickel und Bauxit. Diese sowie Holz, Reis, Gewürze, Kaffee, Tee, Tabak, Naturkautschuk und Palmöl gehören zu den wichtigsten Exportartikeln. Doch auch fast 70 Jahre nach der blutig erkämpften Unabhängigkeit und der Gründung der Republik Indonesia im Jahr 1950, die sich unter ihrem ersten Präsidenten Sukarno (1945-1967) unter anderem soziale Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben hatte und die Nationengründung unter das Motto Bhinneka Tunggal Ika, Einheit in der Vielfalt, stellte, gibt es heute weder das eine noch das andere. In mehrfacher Hinsicht hält man noch immer an den untauglichen Konzepten der Kolonialmacht fest: Die Wirtschaft ist ganz auf die Ausbeutung der kostbaren Rohstoffe und deren Export konzentriert. Konzessionen im Forst-, Plantagen- oder Minensektor werden wenig transparent vergeben und die Profite kommen nur einer kleinen Elite zugute. Nach wie vor wird der Staat seiner Verantwortung, den Reichtum des Landes für dessen Entwicklung zu nutzen, nicht gerecht. Weder wird ausreichend in Bildung oder in Infrastruktur noch in die verarbeitende Industrie oder in die Ausbildung von Fachkräften investiert, die es ermöglichen würde, die Rohstoffe auch langfristig unter Schaffung von Arbeitsplätzen und mit einem erhöhten Mehrwert zu vermarkten.

Armut bestimmt das Leben der meisten Indonesier. Der Weltbank zufolge lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung von weniger als zwei US-Dollar am Tag, während sich am anderen Ende der Gesellschaft ein geradezu obszöner Reichtum entwickelt hat. Die vom Magazin "Forbes" veröffentlichte Liste der reichsten Indonesier wird, wie jedes Jahr, von den Brüdern Budi und Michael Hartono angeführt, die es unter anderem mit der Produktion von Zigaretten zusammen auf ein Vermögen von 14 Milliarden Dollar bringen. Während zwei Drittel der gesamten volkswirtschaftlichen Leistung von schlecht ausgebildeten, schlecht bezahlten und schlecht geschützten Menschen im informellen Sektor erwirtschaftet wird, entfällt auf nur 20 Prozent der Gesellschaft, auf die well offs und Superreichen, die Hälfte des nationalen Einkommens.

Der Autokrat Suharto hat das System der Ausbeutung, Vetternwirtschaft und Korruption mit Unterstützung des Militärs geradezu perfektioniert. Der General hatte sich 1965 an die Macht geputscht und es verstanden, das Land für sich, seinen Clan und seine Günstlinge auszuschlachten. Während seiner 30-jährigen Amtszeit als Präsident soll er zwischen 15 und 80 Milliarden Dollar beiseite geschafft haben. Unter seiner "Neuen Ordnung" (Orde Baru) öffnete sich das Land auch für westliche Investoren, die sein Vorgänger Sukarno zunächst hartnäckig düpiert hatte. Der Umstand, dass Suharto, quasi zur Amtseinführung, zwischen 500000 und einer Million tatsächlicher oder vermeintlicher Kommunisten und einen großen Teil der chinesischen Bevölkerung hatte ermorden lassen, hinderte den Rest der Welt nicht daran, in Indonesien zu investieren. Die USA wurden zum wichtigsten Handelspartner, und auch zu Deutschland pflegte der Diktator enge Kontakte. Sogar die völkerrechtswidrige Besetzung Ost-Timors 1975, in deren Folge rund ein Drittel aller Timorer durch Massaker zu Tode kam, änderte nichts an den guten Handelsbeziehungen.

Ebenso wenig ließen sich Investoren von der illegitimen Annexion West-Papuas und den beispiellosen Massakern an der dortigen Bevölkerung abhalten. Durch den sogenannten Act of Free Choice, eine Farce unter den Augen der UNO, der wohl als der dreisteste Wahlbetrug aller Zeiten gelten dürfte, war das um Unabhängigkeit bemühte West-Papua 1969 offiziell Indonesien zugefallen. Doch zu groß sind die natürlichen Ressourcen der Provinz, als dass man sich deren Unabhängigkeit leisten könnte. Die amerikanische Freeport Sulphur Company erhielt von Suharto als erstes ausländisches Unternehmen eine Betriebsgenehmigung zur Ausbeutung der Gold- und Kupfervorkommen auf Papua. Inzwischen betreibt Freeport-McMoRan mit der Grasberg-Mine die weltweit größte Gold- und kostengünstigste Kupfermine. Zehn Prozent der dort erwirtschafteten Milliardengewinne (2010: 4,1 Milliarden US-Dollar) gehen direkt an die indonesische Regierung. Bei der überwiegend christlichen Bevölkerung der Insel bleibt freilich nichts hängen, Papua zählt zu den ärmsten Regionen des gesamten Archipels. "So lange Freeport hier ist, wird Papua nicht unabhängig sein", konstatiert auch der prominente Geistliche Neles Tebay, der das Friedensnetzwerk Papua mitbegründete.


Dossier Innerstaatliche Konflikte

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