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André Nagel am 10.05.2012

Wollen Sie mitbestimmen? – WebTalk mit Prof. Peter Kruse

Prof. Dr. Peter Kruse auf der re:publica 2010Prof. Dr. Peter Kruse auf der re:publica 2010 Lizenz: cc by/2.0/de (Photo by Daniel Seifert)
Wie können Bürger an politischen Prozessen beteiligt werden und welche Rolle spielen dabei die Möglichkeiten der neuen Medien? Dass der Wunsch nach Beteiligung, nach Partizipation an politischen Entscheidungsprozessen vorhanden ist, zeigen nicht nur die Proteste um ACTA und Stuttgart 21 oder die Wahlerfolge der Piraten. Die Voraussetzungen schafft das Internet. Es hat und verändert immer noch die Gesellschaft, verlagert Machtverhältnisse und schafft eine neue Form von Öffentlichkeit. Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf das Verhältnis von Politik und Bürger? Sind die Bürger bereit und fähig, sich mit der Komplexität politischer Entscheidungen zu befassen und selbst Entscheidungen zu treffen, gar das Agenda Setting zu übernehmen? Oder führt uns das ins politische Chaos?

Am Montag den 14.5.2012 hatten Sie die Möglichkeit, zu diesen und weiteren Fragen mit Prof. Dr. Peter Kruse zu diskutieren. Das Thema des WebTalks: „Beteiligung der Bürger an politischen Prozessen – Resonanzmuster in der Gesellschaft“. Fragen konnten vorab hier im Kommentarbereich und/oder direkt live während des WebTalks gestellt werden. Der WebTalk fand im Rahmen der Vorbereitung zum Bundeskongress Politische Bildung statt, den in diesem Jahr die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e.V. (DVPB) und dem Bundesausschuss Politische Bildung (bap) organisiert.

Die Aufzeichnung des WebTalks finden Sie hier: http://youtu.be/kbI0JG7gB4Y



Prof. Dr. Peter Kruse lehrt als Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Universität Bremen. In Deutschland hat er sich als Querdenker und Visionär in Internetfragen einen Namen gemacht. Seine Beiträge, Videos und Interviews bestimmen maßgeblich die Diskussion zum Thema sich verändernder Resonanzmuster in Wirtschaft und Gesellschaft mit. Kruse zufolge ist es durch das Internet und die ihm zugrundeliegenden Netzwerkeffekte für Aktivisten wie Bürger leichter geworden, sich zu engagieren: „Mit der Erwartung an das Internet, dass jeder Schmetterling einen Sturm entfachen kann, ist Partizipation zum fast selbstverständlichen Anspruch und tiefen Bedürfnis geworden.“[1] Die Herausforderung, mit der sich laut Kruse sowohl die Politik wie Parteien konfrontiert sehen, ist Resonanz beim Bürger für komplexe Motivlagen und ernste Fragestellungen zu erzeugen. Daraus folgt, dass in Zukunft die Bürger viel stärker entscheiden, was wichtig ist und was nicht und sich damit das Agenda Setting von den Parteien zu den Wählern verlagert. Dabei ist für Kruse „mehr Partizipation […] ein unverzichtbarer Schritt, um aus der nicht mehr zu übersehenden Krise der Demokratie heraus zu kommen.“[2]

Das Interview mit Prof. Kruse moderierte Ulrike Reinhard, Expertin für interaktive Methoden der Partizpation in Theorie und Praxis. Weitere Informationen zum WebTalk und zum Bundeskongress Politische Bildung erhalten Sie auf der Website www.bundeskongress-partizipation.de.


Fußnoten

1.
Rechts, Links, Mitte – Raus – Vom politischen Wagnis der Partizipation, in Reboot_D Digitale Demokratie – Alles auf Anfang, 2009, S. 49.
2.
Ebd., S. 59.

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Kommentare anderer Nutzer

Albert Reinhardt | 11.05.2012 um 17:17 [Antworten]

Kulturelles Re-Booting durch das Obelixprinzip

Alles, was wirklich zählt, ist Intuition. Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Geist ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat." Soll Albert Einstein gesagt / geschrieben haben. Zitiert in Kretschmer 2006 Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Doch wird wohl auch ein Gogol von Worten nicht ausreichen, um sich über die jeweils einseitig-umgekehrte Interpretation eines Vexierbildes verständigen zu können. Vielleicht waren die alten Chinesen schon sehr dicht dran, mit ihren Vorstellungen vom Wechselspiel zwischen Yin und Yang, welches nach dem ausgleichenden Prinzip der "Wandlungen", zurück zum inneren Gleichgewicht führen sollte. Wenn mit der Pubertät die soziale Umwelt und ihre Institutionen als "unveränderbarer Lebens-Kontext" verinnerlicht werden, dann nur deshalb, weil wir unserer Jugend nicht ermöglichen an Veränderungsprozessen zu partizipieren. Noch stärker, als bei dem Axiom von Paul Watzlawick, - "Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation nicht nur mit Worten ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren." - verhält es sich mit der Sozialisation in die Gesellschaft. - Man kann nicht nicht sozialisiert werden! Was den Unterschied macht und deshalb das entscheidende Kriterium für gelingende „Partizipationsprozesse“ sein sollte, ist, ob "Initiations-Riten" so intendiert sind, dass möglichst allen Jugendlichen die Aufnahme in die Gesellschaft gelingen kann oder ob man, wie dies z. Z. geschieht, 20 % der Jugendlichen als "nicht ausbildungsfähig" ins gesellschaftliche Abseits drängt!? Schulische Bildung als Sozialisations- und Selbstorganisationsprozess Jugendlicher http://gattel-stiftung.de/dl-ordner/2012-04-25_schulische_bildung_als_sozialisations_2.pdf http://www.psi-21.de

Andreas Lux | 11.06.2012 um 09:24 [Antworten]

Kommentar zu Kruse

Ich habe den Kommentar zu der Frage nicht gelesen es gibt auch anderes dessen und möchte trotzdem einige Bemerkungen machen: 1. Einmal sind hinsichtlich des Datenschutzes die Daten der Personen einer Verpflichtung des/der/die welche diese Daten zur Bearbeitung erhält unterlegen. In vieler Hinsicht, auch in der Rechtstheorie, wird dieser mehr oder minder moralische Umstand gar nicht beachtet. Was übrigens daran grundsätzlich gelegen ist, das ´Recht´ immer nur in Relation zum Unrecht/Verbrechertum/Krimmnalität´ ist - was mithin der sog. empirische und auch hermeneutische Sinn dessen ist. 2. Nützt es nichts wenn alle ´in die Partei´ eintreten um diese ´intellektueller zu machen´, dies ist nur faschistoide national-soziologische ´Ideologie´, denn der Säuselladen dessen besteht ja auch schon paar Takte lang. Im übrigen wird der repräsentative Misthaufen dadurch nur ´[von der Redaktion entfernt]´, was mithin sowieso schon überreichlich ist. Raus kommt ja bekanntlich sowieso immer die gleiche Brut ´Germ any´. 3. Basisdemokratische Kultur entsteht nur durch ´Basisorganisation´. Dies, mithin im weitlichen auch ideologisch unterdrückt, bestände aus ´Stadtteilwerkstätten´ und hinsichtlich solchem des idS. ´Internets´ aus z.B. ´Ortsamtsstatistiken´ Site und solchem der ´ErKenntnisse´ daraus bzw. des idS. mithin leidlichen Diskurses. Dafür und zwar für alles dessen, sind ´die´ aber bisher zu ´un-rechtlich´ gewesen, bzw. leben und arbeiten nur in ihren ´Dunstkreisen´ für z.B. jahrelange Expertenblödscheißer'rinnen und ihren ´Bürgermeister-Säusel-job´. -greetings-