Diskutieren Sie mit auf dialog.bpb.de
André Nagel am 14.04.2013

Brauchen wir mehr Transparenz?

„Mehr Transparenz wagen!“ - das fordern nicht nur Post-Privacy-Vertreter wie Jeff Jarvis, sondern auch Bürgerinnen und Bürger von politischen Entscheidungsträgern. Aber es gibt auch Kritiker der neuen „Offenheit“, die vor allem für die Nutzerinnen und Nutzer digitaler Dienste ein Recht auf Intransparenz fordern. Immerhin bezahlen wir die Bequemlichkeit, die Online-Dienste uns bieten, zumeist mit unseren Daten und einem Verlust an informationeller Selbstbestimmung.

Was ist im digitalen Zeitalter "öffentlich", was "privat"? Wie weit kann und darf diese Transparenz gehen? Stehen wir vor einem Zeitalter der Transparenz? Was würde das bedeuten – für die Politik, für die Gesellschaft, für das Individuum? Fragen, denen die aktuelle APuZ Transparenz und Privatsphäre nachgeht. Wir haben die Autor/-innen der Ausgabe um eine kurze, möglichst twitter-taugliche Antwort auf die Frage gebeten: Brauchen wir mehr Transparenz?

Die Antworten der Autoren finden Sie hier. Nun sind wir gespannt auf Ihre!

  • Zurück
  • Weiter


Was bedeutet Transparenz noch? Wo ist es außerdem Thema? Wir haben bpb.de nach „Transparenz“ gescannt:

Quellentext

Völlige Transparenz? - Transparenz und Freie Kultur

Felix Stalder schreibt im Dossier Wikipedia, wie die Prinzipien der Freien Kultur umgesetzt werden, und wie diese längst als Werbeslogans von Unternehmen genutzt werden.

„Wenn wir also davon ausgehen müssen, dass es sich bei vielem, was unter den Stichworten Offenheit, Transparenz, Partizipation beworben und betrieben wird, um mehr oder weniger deutliche Fälle von Etikettenschwindel handelt, dann stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen diese Werte realisiert werden können. Dies klar zu bestimmen ist insofern schwierig, da es sich in ihrer Umsetzung immer um Abstufungen handelt. Schwarz oder Weiß gibt es nicht. Völlige Transparenz ist ebenso wenig erzielbar (und auch gar nicht wünschenswert) wie auch die schwärzeste aller black boxes gewisse Einblicke in ihre inneren Prozesse erlaubt.“

Zum Artikel auf bpb.de: Zur Bestimmung der Freiheit in freier Kultur

Quellentext

Gradmesser der Demokratie - Transparenz und Open Data

Christiane Schulzki-Haddouti zum Informationsfluss als Grundbedingung der Demokratie und der tatsächlichen Umsetzung von Open Government-Projekten:

„Die Entscheidung darüber, was transparent sein soll, ist eine Entscheidung darüber, was im öffentlichen Raum verhandelt werden darf. Damit sind Transparenzentscheidungen auch Machtentscheidungen. Ermöglicht der Staat den Bürgern den Zugang zu Information, erweitert er den öffentlichen Raum - und umgekehrt. Transparenz ist insofern auch ein Gradmesser der Demokratie.“

Zum Artikel auf bpb.de: Open Data und Transparenz

Quellentext

Keine einfache Lösung - Freiwillige Preisgabe von Daten

Einerseits wird Datenschutz gefordert, anderseits geben viele Menschen ganz unbedarft Privates preis. Im Interview mit dem bpb:magazin antworten Kathrin Passig und Sascha Lobo auf die Frage: Ist auch der Einzelne in der Pflicht, besser auf seine Daten aufzupassen?

Passig: Aufforderungen an den Einzelnen, mehr aufzupassen, sind aufwendig und nur mäßig wirksam – selbst da, wo es wirklich um Leben und Gesundheit geht, etwa in der HIV-Prophylaxe, braucht man groß angelegte und teure Aufklärungskampagnen, um Verhaltensänderungen wenigstens bei einem Teil der Bevölkerung zu bewirken. Man kann die individuelle Preisgabe von Daten ja schwerlich verbieten. Etwas machbarer erscheint es, zu kontrollieren, wie die Unternehmen die Daten nutzen.

Lobo: Abgesehen davon ist die Preisgabe von Daten nichts grundsätzlich Schlechtes, sondern kann, im Gegenteil, je nach Situation große Vorteile mit sich bringen. Der Glaube, dass die Veröffentlichung privater Daten immer eine Gefahr oder ein Übel darstellt, ist eine falsche und leider oft sogar nachteilige Annahme. Gerade, was den Schutz der Privatsphäre angeht, scheint es aber keine einfache, globale Lösung zu geben. Schon deshalb wäre es sinnvoll, mehr Verantwortung und Entscheidungsgewalt in die Hände der Nutzer zu geben, dazu braucht es mehr Transparenz vonseiten der Unternehmen, mehr Kontrolle für den Nutzer und ein Umdenken der Datenschützer, die sich vielleicht in Richtung Datensouveränität bewegen sollten.

Das ganze Interview mit Kathrin Passig und Sascha Lobo: Das Internet - Segen oder Fluch



Ihr Kommentar:

(*) Diese Felder sind Pflichtfelder

Ihr Kommentar wird von der Redaktion geprüft und dann freigeschaltet


Kommentare anderer Nutzer

ulrics | 06.05.2013 um 19:29 [Antworten]

Transparenz vs. Datenschutz

Transparenz heiß für mich, dass ich auf Daten aus Politik und Verwaltung zugreifen kann. Das sind allerdings keine personenbezogenen Daten.

Datenschutz beginnt genau, wie sage, ich möchte nicht mehr angeben. Dies setzt aber voraus, dass einem dies bereits in der Schule bzw. von den Eltern beigebracht wird und auch der rechtliche Rahmen geschaffen wird diese Interessen durchzusetzen.

Niemand schenkt einem etwas und nichts ist kostenlos.


Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 15–16/2013)

Transparenz und Privatsphäre

Bezahlen wir die Bequemlichkeit, die Onlinedienste uns bieten, mit einem Verlust an informationeller Selbstbestimmung? Was ist im digitalen Zeitalter "öffentlich", was "privat"? Deutet sich hier ein sozialer Wandel an? Was würde das bedeuten – für die Politik, für die Gesellschaft, für das Individuum?

Mehr lesen

Publikation zum Thema

SR 1190 Datenschutz Cover

Datenschutz

Haben wir noch die Kontrolle über unsere Daten? Der interdisziplinär angelegte Band klärt auf über die allgegenwärtige Datenverarbeitung und deren Rahmenbedingungen mit dem Ziel, sich in diesem gesellschaftlichen Konfliktfeld eine Meinung bilden und selbstbestimmt eigene Positionen vertreten zu können.Weiter...

Zum Shop

Übersicht vom Plenum des Deutschen Bundestags während der letzten regulären Sitzung des Bundestages vor der Sommerpause im Berliner Reichstag am Freitag, 5. Juli 2002. Mit der letzten Sitzung gehen die Parlamentarier in die Sommerpause.
Dossier Open Data

Open Data und Transparenz

Die Überzeugung, dass politisches Handeln "effizienter" und demokratischer gestaltet werden kann, wenn Daten und Informationen für alle Beteiligten leichter verfügbar sind, ist in der Debatte um Open Data und Open Government fest verankert.

Mehr lesen